BICHAT.
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Uebermässige Anstrengungen (in einem Winter machte B. 600 Seetionen, eineZeit lang wohnte und schlief er im Secirsaale) und, wie es scheint, eine auch inanderer Weise aufreibende Lebensweise rafften ihn schon im Alter von einunddreissigJahren hinweg. Die Hauptschriften sind folgende; „ Trait/t des membranes" (Paris1800, 8.) — „Sur la vie et la mort" (Paris 1800, 8.) — „ Anatomie generale"(Paris 1801, 8.). Die neueste Ausgabe sämmtlicher Werke erschien 1832—1838.Das unsterbliche Verdienst B.'s besteht in der Begründung der Gewebelehre, aufwelcher der Hauptsache nach der Umschwung der Heilkunde unserer Tage beruht. DieMedicin war seit den Tagen Vesal's immer mehr von dem Boden der philosophischen,Speculation auf den der Beobachtung hingelenkt worden. Die Astronomie und diePhysik erhoben sich durch Kepler, Newton, Galilei zu ungeahnter Bliithe.Demselben Boden entsprang die Entdeckung des Blutkreislaufes durch Harvey.Zu Ende des siebzehnten und zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts gelangtenphilosophische Theorien auf einmal zu mächtigem Einflüsse auf die Naturwissenschaftund die Heilkunde. Der Atomistik von Descartes trat Leibniz mit dem grossartigenIdealismus der Monaden-Lehre entgegen; auf dem Gebiete der Medicin spiegeltensieh diese Gegensätze in den mechanischen Theorien von Boerhaave und Fr.Hoffmann und dem Animismus von Stahl . Da trat Haller hervor mit derEntdeckung der Irritabilität der Muskeln: der erste Schritt auf dem Gebiete* derexperimentellen Erforschung der fundamentalen Vorgänge des thierischen Lebens.B. ist in geschichtlichem Sinne der unmittelbare Nachfolger des grossen GöttingerPhysiologen. Er unternahm es, für sämmtliche Gebilde des thierischen Körpersauszuführen, was Haller für die Muskeln gethan hatte. Eben so sehr sind dieArbeiten B.'s eine Frucht des durch Bokdeu von Montpellier nach Paris verpflanztenVitalismus. — 1!. stellte sich die Aufgabe, die lebendigen Vorgänge als denunmittelbaren Ausdruck ihres Baues nachzuweisen. Als Mittel hierzu dienten ihmdie von der analytischen Methode Pinel's geleitete, in der anatomischen SchuleDesault's geläuterte Beobachtung und das Experiment. Dabei hält B. aber seinenvitalistischen Standpunkt so fest, dass er davon ausgeht, die organischen Vorgängedurch eine unübersteigbare Kluft, das Leben, von denen der „todten" Schöpfungzu trennen. Diese Anschauungen werden hauptsächlich in der Schrift „De la vieet de la mort," entwickelt. B. erklärt das Leben für etwas Ursprüngliches, Selbst-tätiges. Aber in der auffallendsten Weise tritt in seiner Definition des Lebensnicht dieses, sondern der Tod in den Vordergrund. Das Leben erscheint fast nurals ein Passives, als ein Abwehrendes: „La vie est Vensemble des fonctions, quiresistent a la mort". Damit wird zugleich der Teleologie Thür und Thor geöffnet.Die allgemeinsten Eigenschaften der lebenden Wesen sind „Sensibilität" und „Con-tractilität". In den Pflanzen und den niedersten 'filieren, in den vegetativenOrganen der höheren Thiere erscheinen diese Grundeigenschaften als Sensibiliteorganique, Contractilite organique. Auf den höheren Stufen der Thierreiche entwickelnsie sich zur animaleu Sensibilität und Contractilität. Aber das Verdienst B.'s bestehtnicht in seinen Theorien, sondern in seinen anatomischen Arbeiten; obschon auchdiese grösstenteils auf Beobachtungen und Versuchen beruhen, welche nach höchstunvollkommenen Methoden angestellt wurden. Auffallender Weise legt B. sogar aufdas Mikroskop, welches später zum Hauptwerkzeug der von ihm gegründetenWissenschaft geworden ist, nur geringen Werth. Die anatomischen Arbeiten B.'ssind hauptsächlich in dem „Traite des membranes" und in der „Anatomiegi.ne.rale" niedergelegt. In dem erstgenannten Werke werden die mucösen, fibrösen,fibro-mucösen und die „nicht classificirbaren" Häute (innere Gefässhaut, Markhautder Knochen, Iris chorioidea) und die Synovialhäute beschrieben. In der „All-gemeinen Anatomie" theilt B. die „Systeme des Körpers" in „allgemeine" und„besondere" (Zellgewebssystem, animales und organisches Nervensystem, Arterien,Venen, Capillaren, exhalirende und Lymphgefässe; — Knochen, Knochenmark,Knorpel, Fasersystem, Faserknorpel, Muskelsystem, Schleimhäute, seröse Häute,Synovialhäute, Drüsen, Lederhaut, Oberhaut, Haar- und Hirngewebe). Er schildert