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1 (1884) Aaskow - Chavasse
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Einleitung.

Wissenschaft angehörenden Individualitäten kann der Historiker sein Urtheilmeistens noch gar nicht abschliesson: nur im beschränktesten Umfange darfer der noch Lebenden Erwähnung thun, und gerade in dieser Richtungmacht sich oft das dringendste Bedürfniss geltend.

An Zustimmung zu diesen allgemeinen Erwägungen hat es in dermedicinischen Schriftstellerwelt nie gefehlt. Viele haben sich der Aufgabedienstbar erwiesen, den wissenschaftlich denkenden Arzt mit Material zuversehen, aus dem er sich schnell Uber ihm interessante Persönlichkeitenorientiren konnte. Wie man sich zu den verschiedensten Zeiten die Lösungder Aufgabe gedacht hat. wie die eine oder die andere Nation sich befleissigte,das Andenken ihrer bedeutenden Aerzte auf die Nachwelt zu bringen, darübergewährt unser Quellenverzeichniss (Seite 732), welches von Herrn Prof.Dr. Gurlt bearbeitet ist, einen möglichst vollständigen Ueberblick. Fast jederGau unseres eigenen grossen Vaterlandes, fast jede Provinz und jedes wissen-schaftliche Centrum Frankreichs und Italiens besitzt sein Specialwerk, welchesauch die mit Auszeichnung dort genannten Mediciner enthält; die Londonerund die Schottischen Aerzte, die Böhmen, Dalmatiner und Ungarn, die Hcil-künstler-Esthlands, wie die von Catalonien und unsere namhaften Collegen aufder westlichen Halbkugel, sie Alle sind des Gedenkens der Nachkommennicht verlustig gegangen und haben in mehr oder weniger umfangreichen undübersichtlichen Werken eine Würdigung ihrer Lebensarbeit erfahren.

Die Form, in welcher es geschah, entsprach dem Geist der Zeiten.Neben des Brunfelsius Catalogus illustrium medicorum, der dem Jahre 1530entstammt, stellen sich, ähnlich ehrwürdigen Alters und Tenors, die Vitaeillustrium, medicorum des Petrus Castellanus , Adam s Vitae qermanorummedicorum und die ..berühmten Veroneser" des Chiocco aus der ersten Hälftedes 17. Jahrhunderts. Demnächst sind es die Gelehrten einzelner Universitäten,Breslaus, Jena's, Königsbergs etc., denen die biographische Forschungs-richtung ihre Dienste weiht. Diese locale Specialisirung beherrscht fast dasganze 18. Jahrhundert hindurch die Gelehrtenwelt: oft genug wird demgeschriebenen Wort das gestochene Bildniss der Verewigten hinzugefügt, ummit thunlichster Vollständigkeit den ganzen Mann der Nachwelt vor Augenzu führen. Mit den gewaltigenBibliothecis" Albrecht von 1 Iat/ler's ändertsich die Arbeitsrichtung. Diese ungeheuren Sammelwerke, quibusScriptaad anatomen et physiologiam (ad artem chirurgicam, ad partem medicinaepracticam) facientia a verum initiis recensentur", wandelten etwa von1775 ab das persönliche Interesse in ein mehr bibliographisches um, wenn-gleich es an einzelnen, diese Richtung vertretenden früheren Arbeiten(Douglas in englischer, Carrere in französischer Sprache) keineswegs gefehlthatte. In den ersten Jahrzehnten unseres eigenen Säculums wiegen alsdanndie meistens auf ein ganzes Forscherleben angelegten Versuche eines Bern-stein, Callisen, Heinsius, Kayser etc. lehren es die bücherverzeichnendenund schriftensammelnden Werke vor, bis ganz neuerdings die einzelnenNationen wiederum mehr oder minder gelungene Versuche gemacht haben,zur persönlichen Betrachtungsweise zurückzuführen (vgl. z. B. Dechambre,