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2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
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WILLENSHEILKUiXDE

Er stellte sich vor den Kranken hin, befahl ihm, ao nah als möglich auf ein-ander folgende tiefe Inspirationen, nach abwechselndem Heben und Senkendes Armes abgemessen, zu machen. Bald nahmen die convulsivischen Zu-ckungen ab, und es dauerte nicht lange, so hatten sie gänzlich aufgehörtund der Kranke war durch diese gleichsam tactmässige Respiration gerettet. Auch das sogenannte Greiseuzittern weicht nicht selten der Macht einesfesten Willens. Ich habe sagt Jolly einen Greis von 84 Jahren ge-kannt, der dermassen zitterte, dass er nicht ein einziges Wort schreibenkonnte, und der vermöge eines festen Vorsatzes und beharrlicher Geduldden krampfhaften Bewegungen seiner Finger eine solche Richtung gebenkonnte, dass er im Scande war, Wörter und Zeilen mit der genauesten Re-gelmässigkeit zu schreiben. Man kann selbst Krämpfe nach Willkür un-terdrücken , wenn man eine heftige Zusammenziehung der Deglutitionsmus-kelu der convulsivischen Coutraction des Zwerchfells und der innern und äus-sern Muskeln und der Larynx suhstituirt. Auch das Husten, welches oftweder eine Krankheit, noch eine Notwendigkeit, sondern eine schlechte An-gewohnheit ist, kann durch den Willen beherrscht werden. So sieht manoft Kinder, die am Keuchhusten leiden, weiche, wenn sie mit ihren Spielenbeschäftigt sind, Stundenlang nicht das mindeste Bedürfniss zum Husten em-pfinden, während sie unbeschäftigt fast jeden Augenblick Hustenanfällen un-terworfen sind, und es ist daber gar nicht zu verwundern, wenn man liest,dass die englischen Arzte den Keuchhusten durch Zerstreuung oder Erregungeines bestimmten Geräusches, wodurch die Aufmerksamkeit gefesselt wird,heilen. Dieselbe Bemerkung könnte auf die Dysurie, Dysenterie und an-dere krampfhafte Affectionen der Sphinkteren, welche oft einen entzündlichenZustand begleiten, anwendbar sein. (Wer an Durchfall leidet und den Draugzum Stuhlgange möglichst selten befriedigt, kann sich dadurch davon befreien.M.) Das wahre Asthma, von nervöser oder spasmodischer Natur, kannebenfalls, theils indem durch eine künstliche Respiration der Krampf derLungenbläschen, welche dadurch dem Eintritt der Luft unzugänglich gewor-den sind, beseitigt wird, theils indem man die Aufmerksamkeit der Siune an-derswohin leitet, geheilt werden. In der ersten Absicht empfahl Lawrencesolchen Kranken, laut zu lesen, damit dadurch die Exspiration länger dauereund die Inspiration vollständiger geschehe. Laenuec erzählt den merkwür-digen Fall, dass ein Kranker die astmathischen Anfälle während der Nachtdadurch zurückhalten konnte, dass er die Lampe oder ein Licht anzündeteund seine Aufmerksamkeit auf die im Zimmer befindlichen Gegenstände rich-tet«. Wer weiss es nicht, dass so viele Gastralgien, Hysterien, Hypo-chondrien, selbst intermittirende Fieber und so viele andere nervöse Affectio-nen, welche unserm ganzen Heilapparat Trotz geboten haben, durch Leibes-übungen, lange Renen, Reiten oder Fahren, Reisen nach entfernten ISade-örtern, oder, was dasselbe ist, durch Zerstreuung, Bewegung, kurz durchden Willen geheilt worden sind. Wenn aber fast in allen Krankheiten derWille wesentlich zur Heilung beitragen kann, so zeigt es sich vorzugsweisein epidemischen Krankheiten, was ein fester Wille vermag. Die Erfahrunglehrt, dass grade die thätigen, immer beschäftigten und ihrer Pflicht ergebe-nen Menschen weniger als Opfer der Epidemie fallen, als die Furchtsamenund Überklugen, welche sich in träger Ruhe in ihre Häuser einspeiren. -Einer der Minister Karl X., Mr. Montbel , den seine Verbannung im Jahre1830 grade nach einem Orte hinführte, wo die Cholera wüthete, stand inder Nacht, als sich die ersten Zeichen der Cholera bei ihm zeigten, sogleichauf, zog sich an und stürzte sich mit grossem Eifer in seine Geschäfte undverblieb mehrere Tage in einer beständigen körperlichen und geistigen Auf-regung und es gelang ihm so, den fürchterlichen Feind, der seinem LebenGefahr drohte, zu beseitigen. In niadiciuisch-forensischer Hinsicht könnensich mancherlei Fälle dem Gerichtsarzte darbieten, wo er zur Erklärungschwieriger Fälle die Berücksichtigung der Willenskraft nicht aus dem Augeverlieren darf. Auch die Gesundheitapolicei hat darauf zu sehen, das3 El-tern und Erzieher Alles aufbieten, den Kindern und Zöglingen die geeigue-