1054 VERLETZUNGEN DES MENSCHL. KÖRPERS
so ist die mehr oder weniger dunkelrothe Hautfarbe des getroffenen Theilgeine9 der vorzüglichem sinnlich wahrnehmbaren Merkmale dieser Art vonVerletzung. Doch darf nicht unbeachtet gelassen werden, dass die Mutter-male und die Hautflecke, Petechien, welche während des Lebens aus innernUrsachen, in asthenischen Krankheiten mit chemischer Entmischung derSäfte, z. B. beim Faulfieber, Petechialfieber, Skorbut; ferner von heftigenKrämpfen, unmässiger Muskelbewegung und krampfhafter Zerrcissung feine-rer Muskelgefässe, starkem Husten, heftigem Brechen u. s. w. entstehen, jaselbst manche Muttermale, die dem äussern Ansehen nach eine grosse Ähn-lichkeit mit den durch äussere Gewalt hervorgebrachten wahren Sugillatio-nen haben, und die Untersuchung solcher kritischer Stellen an Leichnamendaher um so mehr die grösste Genauigkeit und Aufmerksamkeit von Seitendes Gerichtsarztes erfordert, je wichtiger zuweilen die richtige Erkenuungdieser verschiedenen Zustände ist. Eine genaue Untersuchung der sogenann-ten Todten flecke ( Lividitei cadaverique») von den schon bei Lebzeitenentstandenen Sugillationen und Ecchymosen ist hier sehr wichtig. (S. Ent-zündung, Tbl. I. 8. 403, und Orfila , Med. legale. 1836. T. 2. p. 475■—486. Sedil/ot, Manual de Med. l£g. 1836. p. 235 sq.) Nicht seltenwerden aber auch bei starken Quetschungen, die auf der Oberfläche desKörpers wenig oder gar keine Veränderung- hervorbringen, die innern Or-gane verletzt und zu Zerreissungeu und Zerberstungen veranlasst. Die Ent-zündungen, welche den Quetschungen in ihren bedeutendem Graden folgen,pflegen übrigens oft hartnäckig und zum Ausgang in profuse Vereiterungenund in Brand, seltner in bleibende Verhärtungen geneigt zu sein (zumalwenn sie von einfältigen Wundärzten schwächend mit Blutegeln, statt kal-ter Umschläge behandelt worden. Most). Auch haben diese Verletzungen,der aus ihnen häufig entspringenden Nerveozufälle wegen, besondere Ge-fahren, wenn sie die zu den wichtigern Körpergelenken gehörigen Ge-bilde betreffen (s. Quetschung), c) Die Körpererschütterungen.Gewöhnlich sind sie die Begleiter der Quetschungen, doch können sie auchausserdem, z. B. beim Springen, Fallen, durch heftigen Druck (z. B. beiden Luftstreifschüssen) u. s. w. stattfinden. Sie erstrecken sich besondersüber die Centraltheile des Nerven- und Gefässsystems: über das Gehirn,das Rückenmark, das Venengeflecht in der Magengegend und das Herz mitden grossen Gefässstämmen; in seitnern Fällen über die Brust und die Un-terleibseingeweide, und am wenigsten über die einzelnen Nerven, Gefäsa-zweige und Muskeln. Die mit ihnen verbundene und oft sehr schwer inZeiten richtig zu erkennende Gefahr für die Gesundheit und das Lebenhängt theils von der physiologischen Geltung der betroffenen Organe, theilsvon dem Grade der Gewaltthätigkeit ab, welche die Erschütterung hervor-gebracht hat (s. Erschütterung des Körpers). Wenn Siebenhaar(I. c. Bd. 2. S. 31) die Körpererschütterungen als „Veränderungen undZerrüttungen des Baues zarter Körper mittels heftiger Schwingungen" de-finirt, so ist dabei zu bemerken, dass bei der Section solche Veränderungenund Zerrüttungen im Bau des Theils, z. B. des erschütterten Gehirns, nichtwahrzunehmen, also eine reine Supposition sind, Sedillot (Med. legale, p.240) sagt dagegen von der Commotion: „C'est l'action d'uue cause ex-terne. qui deterinine le rapprochement, l'affaissement subit des moleculesd'un viscere de peu de consistance", wobei er zugleich Littre's Beobach-tung anführt, wo ein Gefangener den Kopf gegen die Mauer stiess und todtniedetfiel. Die Section zeigte den Schädel ganz gesund , aber die erschüt-terte Hirnmasse war geringer von Volumen, wie gewöhnlich; indessen istdies Zeichen nicht constant. — d) Die Verrenkungen, d. h. die Aus-einanderweichung der normalen Verbindung der Knochen an den Gelenken,und die Knochenbrüche und Knochenrisae, d. h. die Trennungendes Zusammenhanges der Knochen in ihrer Continuität (s. Fracturae u.Luxatio). Obgleich die Knochen von der einen Seite zu den Theilen desKörpers gehören, welche im gesunden Zustande die geringste Vitalität be-sitzen und deshalb auch mit den Organen, von deren Unversehrtsein das