RECRUTIRUNG
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fahrnngen Anderer darüber zu benutzen, allerlei Klugheitsregeln, welche dieLage der Umstände an die Hand giebt und empfiehlt, zu befolgen, und über-haupt mit grösster Einsicht, Vorsicht, Umsicht, Besonnenheit, Klugheit, Er-fahrung und Menschenkenntniss dabei zu Werke gehen, damit er nicht un-gerecht gegen den Recruten, aber auch nicht gegen das Gesetz handle. Je-mehr Schwierigkeiten den Fall verdunkeln, um desto mehr Aufmerksamkeitist nöthig, desto tiefer muss er in die Details und das Innere der Umständeeindringen und desto schärfer den ganzen Zustand ins Auge fassen, um dieWahrheit von der Täuschung zu unterscheiden. Besonders wird dies beisolchen Krankheiten höchst nothwendig, deren Dasein von den Recruten amhäufigsten vorgegeben wird, um dadurch vom Soldatenstande frei zu kom-men. Dahin gehören vorzugsweise:
A. Alle ch ro nis ch e Nerv en kr ank h ei t en, die in einem verletztenZustande des Gehirns oder des Nervensystems überhaupt, oder einzelnerTheile, ihren Grund haben und sich durch Erscheinungen abnormer Hirn-und Nerventhätigkeit zu erkennen geben.— Sie lassen sich, in Hinsicht aufdie verletzten Verrichtungen — nach Josephi — (a. u. a. O. S. 41) auf fol-gende drei Cl assen reduciren.
I. Krankheiten des Innern Sinnes, oder p sychi s c he Krank-heiten, worunter man diejenigen versteht, wo die verschiedenen Kräfteder Seele nicht entwickelt vorhanden sind, und dabei ihr freier, d. h. voneigner Willkür abhängender Gebrauch auf die Dauer gestört ist, und derenCharakter sich also durch ein Unvermögen zur Selbstbestimmung ausdrückt.Solche psychische Krankheiten werden sehr häufig simulirt, und die Ent-deckung des Betruges ist nicht selten mit den grössten Schwierigkeiten ver-bunden, zumal wenn man einen verschmitzten Betrüger vor sich hat, dermit den Symptomen solcher Leiden genau bekannt ist und genug Besonnen-heit und Herrschaft über sich selbst besitzt. Vorzüglich kommen hier fol-gende Krankheiten in Betracht: a) Krankheiten des Geistes, als:1) Blödsinn (s. d. Art.). Dieser besteht in einer höchsten Abstumpfungaller Seelenkräfte, welche sich durch einen Mangel an Schärfe der Aufmerk-samkeit, des Gedächtnisses und der Beurtbeilungskraft, sowie durch völligeAbstumpfung des Gefühl- und Willensvermögens ausspricht, also in einerUnfreiheit des Geistes mit völliger Depression des Denkvermögens und desBegriffsvermögens. Es hat derselbe aber verschiedene Grade, nämlich eingeringerer Grad desselben ist der Stumpfsinn ( Mentis imbecillitai), und einnoch geringerer, die Dummheit (Stupidität) , wo nur blos eine Schwächedes Erkenntnissvermögens, Mangel der Aufmerksamkeit und ein Unver-mögen, dieselbe auf mehr als einen Punkt zu richten, vorhanden ist. Da-her unrichtige Vorstellungen und falsche Urtheile selbst über die gewöhn-lichen Gegenstände des täglichen Lebens, das Wesen derselben ausmachen.Deshalb muss bei der Untersuchung eines angeblich Blödsinnigen zuvörderstder Grad des Blödsinns ausgemittelt werden; denn ein Mensch kann dummsein, ohne deswegen an einer wirklichen Geisteszerrüttung, die sich haupt-sächlich durch Mangel an Selbstbestimmung ausdrückt, zu leiden. In dieserHinsicht hat der Arzt sowol die körperliche als psychische Beschaffenheitdabei zu beobachten. Er muss seine Unterredung mit einem solchen Con-scriptionspflichtigen oder Stellvertreter auf eine schickliche Weise, und zwarüber Gegenstände des täglichen Lebens so leiten, dass sie Anlass zu Äusse-rungen des Gedächtnisses, der Beurtbeilungskraft, Überlegung und Beson-nenheit giebt; und bei den höhern Graden (Stumpf- und Blödsinn)■wird er dann, bei gehöriger psychologischer Kenntniss des Menschen, ge-nügender Erfahrung und Weltkenntniss, es gewahren können, ob eine auf-fallende Schwäche des Gedächtnisses, eine fast gänzliche Unthätigkeit derPhantasie, Unvermögen eine Vorstellung fest zu halten und ein Übersprin-gen von einem Gegenstande auf den andern vorhanden sei oder nicht (s. See-lenstörungen). Nächstdem muss er die psychische Beschaffenheit unddie den Blödsinn gewöhnlich begleitenden Erscheinungen aufmerksam insAuge fassen, um zu erfahren, ob der Recrut sich nur so stelle, oder wirk-