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RECRUTIRUNG
streckt zusammenbringen. Zuletzt wird jede Hand insbesondere besehen unduntersucht, ob jedes Gelenk seine gehörige Beweglichkeit habe, ob keinFinger verstümmelt, steif oder mit einem andern verwachsen oder sehr ge-krümmt sei, weshalb man alle Finger in eine Faust schlagen und wiederausstrecken lässt; ob auch kein Finger, besonders der Daumen oder Zeige-finger der rechten Hand fehle. Um die untern Gliedmassen zu unter-suchen, läast man den Recruten in gerader Richtung vor sich hinstellen, so-dass die Fersen dicht an einander zu stehen kommen, wobei man bemerkt,ob die Knie nicht zu stark ein- oder auswärts gebogen, ein Bein kürzerals das andere, oder krumm sei. Um sich von der Beweglichkeit der Ge-lenke zu versichern, lässt man zuerst den Fuss, dann das Knie, hernachden Schenkel biegen und ausstrecken, auch wechselsweise mit einem, dannmit dem andern Beine niederknien, und achtet zugleich darauf, ob wider-natürliche Geschwülste, ob Blutaderknoten, von Schweiss zerfressene odermit Warzen bedeckte Fusssohlen, ein vom Breitfus3 wohl zu unterscheiden-der Plattfuss, ein Mangel einer oder mehrerer Fusszehen, eine zu grosseMagerkeit (das Schwinden) der Beine, oder schlecht vernarbte Geschwüre,die leicht wieder aufbrechen können, und daher zum Kriegsdienstuntauglichmachen, vorhanden sind. Darauf lässt man den Recruten hin- und hergehen,um zu erforschen, ob er einen festen Schritt habe, sich nicht auf einen Fusslehne, oder das eine Bein nachschleppe, und übersieht dabei noch einmalden ganzen Körper von allen Seiten, um sich von der Beschaffenheit des-selben vollkommen zu unterrichten; wobei man dann besonders auf jedenetwanigen Defect, jede Ungestaltheit oder Unförmlichkeit, auf alle Gattun-gen eingewurzelter und bösartiger Hautausschläge, sowie auch auf alle be-deutende Geschwülste, die wegen nahe gelegener wichtiger Theile ohneGefahr nicht entfernt werden können, sein Augenmerk richtet, und wobeies denn von der Beurtheilung des untersuchenden Arztes abhängt, ob jeneUnförmlichkeiten, Hautkrankheiten und Geschwülste von einer solchen Be-schaffenheit sind, dass sie leicht geheilt und entfernt werden, oder, ohne amDienste zu hindern, passiren können. Sollte der Recrut vielleicht durch An-wendung künstlicher Mittel Geschwüre, Ausschläge u. dergl. absichtlich er-regt haben, so wird dieser Betrug durch strenge Bewachung desselben, unddurch verhinderte fernere Anwendung solcher Mittel leicht zu erforschen
sein, sowie ein geübtes Auge ihn auch leicht sofort entdecken wird Nicht
selten kommt es vor, dass ein Conscribirter sich ein künstliches Fussge-schwür durch ätzende Ingredientien zu verschaffen weiss, selbiges mit altemscharfen, verdorbenem und stinkendem Käse verbindet, wodurch ein wahr-hafter Aasgestank erzeugt wird, um so den untersuchenden Arzt zu täuschen;und daher muss der Arzt bei der Untersuchung ganz besonders vorsichtigsein, um nicht betrogen zu werden. Alle bisher benannten Krankheiten undDeformitäten eines zu untersuchenden Recruten finden volle Anwendung beidem Infanteristen; ein solcher muss von den oben angeführten Fehlern ganzfrei sein, besonders der Freiwillige oder Stellvertreter, welcher später sonstnur dem Staate zur Last fallen würde; doch schliessen folgende Fehler (undzwar in Kriegszeiten) den übrigens kräftigen und rüstigen Conscribirtennicht ganz vom Militairdienste aus: 1) Das Fehlen der ersten Back-, Eck-und Vorderzähne der linken Seite; 2) ein schlecht verheilter und über ein-ander verwachsener Scblüsselbeinbruch; 3) nicht sehr in die Augen fallendeErhöhung einer oder der andern Schulter; 4) das Fehlen oder eine durcheine Verletzung hervorgebrachte massige Verkrümmung des kleinen, oderGoldfingers der rechten oder linken Haud; 5) massig nach Aussen oder Innengebogene Kniee; 6) massige Breitfüsse. Diese Leute können theils zur Ca-vallerie, theils zur Artillerie und zum Train verwandt werden, sowie zuOfficierbedienten und zur Bedienung der Bagage der respectiven Corps. —Da es auch Krankheiten giebt, die nicht sogleich in die Sinnefallen und deren Dasein oft schwer auszumitteln ist; so wird der unter-suchende Arzt in vielen Fällen genöthigt sein, seine Versuche zu wieder-holen, mehrere aufgefundene Merkmale mit einander zu vergleichen, die Er-