Druckschrift 
2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
Entstehung
Seite
599
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

RECRUT1RUNG

599

mühsamen Athem und gewöhnlich schnellem Pulse können keine Strapazenaushalten, die geringste Anstrengung bringt Engbrüstigkeit, Lungenentzün-dung, Blutspeien, oder sonstige Brustübel hervor. Nicht selten wird Eng-brüstigkeit und Blutspeien auch simulirt (s. Krankheiten, verstellte),welches eine noch sorgfältigere Nachforschung nöthig macht. Am Unter -leibe hat man darauf zu sehen, ob derselbe widernatürlich ausgedehnt odereingezogen, gleich oder ungleich geformt sei; ob Verhärtungen und Ge-schwülste, besonders irgendwo ein Bruch ( Hernia ) oder eine Anlage dazuvorhanden sei. Um letzteres zu entdecken, lässt man den Recruten währenddes Befühlens stark und tief ein- und ausathmen, husten und allerlei Bewe-gungen des Körpers vornehmen; denn ein wirklicher Bruch, und zwarohne Ausnahme, das ausgetretene EiDgcweide mag zurückgebracht sein oderdurch Bruchbänder zurückgebracht werden können, oder nicht, macht vomFeldkriegsdienste frei; aber nicht Anlagen zu Brüchen, oder frühervorhanden gewesene, nun aber geheilte Brüche. Sodann müssen die Zeu-gungstheile untersucht werden, besonders, ob das männliche Glied auchteilte, ob die Hoden im Scroto, oder hinter oder im Bauchringe gebliebenlind angewachsen sind, welches beim Marschiren Schmerzen verursacht, undüberhaupt zu allen körperlichen Anstrengungen uufähig macht; ob, wenndie Hoden sieb auch gehörig im Scrotum befinden, selbige völlig gesundsind und kein Fleisch-, Wasser- oder Aderbruch, oder sonstige Krankheitender Hoden, der Samenstränge und des Hodensackes vorhanden sind. Fernerdas Mittelfleisch ( Perinaeum ) und die Aftergegend, ob keine un-heilbare Geschwülste, Geschwüre oder Fisteln, Feigwarzen ( Condylomata),ein habitueller Vorfall des Mastdarms, ein habituelles Unvermögen, den Kothzurückzuhalten, wobei auch besonders der Fluxu» lientericus und coeliacuszu berücksichtigen sind, oder ob eiternde Hämorrhoidalknoten, oder ein pe-riodischer, starker Häuiorrlioidaltiuss vorhanden sind. Nächstdem dürfenauch die Harnwege nicht unbeachtet bleiben; dahin gehören: die Stein-sclimerzen, besonders der Blasenstein, das habituelle unwillkürliche Harn-lassen, die häufige Vorhaltung desselben, sowie schwere Krankheiten oderVerletzungen der Harnwege, oder die Fisteln dieser Theile. Einige dieserGebrechen sind zuweilen zweifelhaft, besonders die Verhaltung und die Un-cnthaltsamkeit des Harns, die zuweilen fälschlich angegeben , oder künstlichhervorgebracht werden. Die Verhaltung des Harns erregt Zufälle, welchedem Kunstverständigen bekannt sind und deren Gegenwart oder Abwesen-heit die Mittel an die Hand giebt, die Wirklichkeit oder das blosse Vor-geben des Übels zu entdecken, auch zu bestimmen, ob es bleibend oder vonvorübergehenden Ursachen erzeugt sei. Schwerer aber ist es, über das Un-vermögen, den Harn zu halten ( Incontinentia urinae ) zu urtheilen, ob esuämlich natürlich oder künstlich, weil die Küthe und exeoriirten Stellen auder HarnröhrenölTnung auch durch andere Ursachen veranlasst sein können;es werden daher in diesem Falle glaubhafte Zeugnisse (zumal vou Schlaf«kameraden vor der Zeit der ßecrutirung) herbeigeschafft werden müssen, wo-bei man dann besonders noch auf die ganze Constitution, oder die schwacheoder kräftige Gesundheit des Menschen und auch darauf zu sehen hat, obder Harn in einem vollen Strahle abgeht, ob beim Einbringen des Kathetersam Morgen eine reichliche Menge Harns abflicsst oder nicht. Endlich wirddie Untauglichkeit auch noch durch einige Missbildungen der Harnröhre be-gründet, wohin besonders der Zustand des.wahren Hypospadiaeus, wo sichdie Öffnung der Harnröhre weit unter der Eichel befindet, gehört. Um dieobern Gliedmassen zu untersuchen, wendet man seine Aufmerksamkeitzuerst auf die Schultern, ob diese nicht ungleich erhaben sind; dann aufdie Arme, ob sie nicht widernatürlich dünn, sondern kräftig und in allenihren Gelenken beweglich sind. Zu diesem Endzwecke lässt man den Manndie beiden Arme so ausstrecken, dass die Hände sich mit ihren Flächen be-rühren, woraus zugleich ersichtlich wird, ob die Arme eine gleiche Längehaben; alsdann lässt man beide ausgestreckte Arme kreuzweis über die Brustlegen, und darauf sofort über den Kopf nach ihrer ganzen Länge ausge-