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1 (1877) Anorganische Chemie
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Sulfide und Supersulfide.

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Bariumsulfid oder Schwefelbarium, BaS, ist einröthlich weisses amorphes Pulver, dessen heiss gesättigte wäs-serige Lösung beim Erkalten zunächst Krystalle von Barium-hydrat absetzt, während in der Mutterlauge das Bari um tili o-hydrat, Ba(SH) 2 , gelöst bleibt. Wird die mit Schwefelwasser-stoff übersättigte Lösung im Vacuum verdunstet, so krystallisirtdie Verbindung in weissen undurchsichtigen Säulen, welchesich au der Luft leicht zu Bariumthiosulfat oxydiren.

Die Zersetzung des Bariumsulfides durch kaltes Wasserist keine vollständige, denn beim Verdunsten der nicht mitSchwefelwasserstoff behandelten Lösung krystallisiren auch farb-lose Täfelchen von der Gesammtformel BaS -f- C fl 2 0, welchemöglicherweise ein wasserhaltiges Oxy-Thiohydrat:

Ba :oH + 5H *°>

sind und durch eine zur Lösung ungenügende Menge Wasserwieder in zurückbleibendes Bariumhydrat und in Lösung ge-hendes Thiohydrat zersetzt werden.

Supersulfide.

550. Die Zahl der bekannten Supersulfide der Erdalkali-metalle ist eine weit geringere als diejenige der analogen Al-kalimetallverbindungen. Mit Ausnahme des Bariumtrisulfideslässt sich keine einzige durch Zusammenschmelzen der ein-fachen Sulfide mit Schwefel darstellen, da sie sämmtlich schonin der Nähe des Schwefel-Siedepunktes in einfaches Sulfid undfreien Schwefel gespalten werden.

Beim Ivochen von Schwefelcalcium mit Wasser und dreiAtomen Schwefel entsteht Calciumtetrasulfid, CaS 4 , mit über-schüssigem Schwefel dagegen Calciumpentasulfid, CaS 5 ,in rothgelber Lösung, welche beim Verdunsten unter der Luft-pumpe die Verbindung als gelbe amorphe, auch in Weingeistlösliche Masse zurücklässt. Beim Eindampfen in Siedhitze zer-setzt sie sich schon vollständig in Schwefel und einfach Schwefel-calcium, das grossentheils wie oben angegeben weiter zerfallt.Auch beim Kochen von Kalkmilch mit Schwefel wird dieCalciumpentasulfidlösung gewonnen, enthält dann aber neben-bei Calciumthiosulfat:

3CaO 4- 12 S = 2 CaS 5 -f CaS 2 0 3 .