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9 (1864) [U - Z]
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Zoochemie, thierische.

der längst wieder aufgegebenen Protei'ntheorie, zahlreicher Elementar-analysen thierischer Substanzen, so sind wir so nahe an die Gegen-wart herangetreten, dass nach historischen Grundsätzen ein Abschlussdieser Skizze geboten erscheint.

Die Zoochemie ist nur ein Theil der Chemie überhaupt, und kanndaher eine gesonderte theoretische Bedeutung nicht beanspruchen. Destovorwiegender ist ihre praktische Bedeutung und zwar als Ilülfswissen-schaft der Physiologie und Pathologie. Wenn man die chemischenProcesse des Thierorganismus beurtheilen will, muss man seine chemi-schen Substrate kennen d. h. diejenigen chemischen Verbindungen, dieBestandtheile desselben sind. Man muss nicht nur wissen, wo sie vor-kommen, sondern auch welche Verwandlungen sie im Organismus er-leiden. Indem wir aber diese Kenntnisse zur Erklärung gewisser Le-bensvorgänge verwerthen, wird die Zoochemie zur physiologischenChemie. Ebenso wenig wie man einen Begriff von einem Hause er-hält, wenn man die einzelnen Bestandtheile kennt, ebenso wenig er-hält man einen Einblick in den wundervollen thierischen Organismusdurch die blosse Kenntniss der Elemente und chemischen Verbindun-gen, aus welchen er zusammengesetzt ist. Man muss auch ihre Ver-t'neilung auf die einzelnen Organe des Thierleiues, man muss die che-mische Zusammensetzung und das chemische Verhalten der thierischenSäfte, Gewebe und Organe kennen. Erst mit diesem Rüstzeug kann manes wagen, der eigentlichen Aufgabe der physiologischen Chemie, der Er-klärung der im Thierkörper während des Lebens vor sich gehendenchemischen Processe näher zu treten und ihre Lösung zu versuchen.

Die Zoochemie umfasst daher die Lehre von den chemischen Sub-straten des Thierkörper?, von ihrem Vorkommen, ihrer Abstammung.den Verwandlungen, welche sie im Organismus erleiden, ihrem Aus-tritte aus demselben und ihrer physiologischen Bedeutung, sodann aberauch die Lehre von der chemischen Zusammensetzung und dem allge-meinen chemischen Verhalten der thierischen Säfte, Gewebe und Or-gane: Phlegmatochemie, Histochemie, Organochemie.

Daraus ergiebt sich das Material für die Ermittelung der Gesetze,nach welchen die auf Mischungsänderungen beruhenden thierischenFunctionen und Lebens Vorgänge erfolgen: die zoochemischen Processe,und daraus ergiebt sich endlich auch das unterscheidende Merkmal zwi-schen Zoochemie und physiologischer Chemie. Die Zoochemie ist wirk-liche Chemie vom Standpunkte der Mittel und der Zielpunkte betrach-tet; die physiologische Chemie aber führt ihren Namen gewissermaassenmit Unrecht; sie würde richtiger chemische Physiologie genannt werden.Denn diese Doctrin ist nur ihren Mitteln nach Chemie, ihrem Zweckenach aber Physiologie. Ihre Resultate haben für den Chemiker keinInteresse, sie liegen nicht im Bereiche seiner Ziele.

Wenn wir die chemischen Bestandtheile des Thierkörpers nachihrer allerdings nur theilweise gekannten Stellung im Stoffwechselbetrachten, so kann man sie zunächst in drei Hauptgruppen bringen:Die erste Gruppe umfasst diejenigen Bestandtheile des Thierkör-pers, die als solche fertig gebildet von aussen aufgenommen werden,und die mit wenigen Ausnahmen auch als solche wieder ausgeschiedenwerden. Es gehören hieher zum grösstenTheil die anorganischen Be-standtheile des Thierorganismus. Die zweite Gruppe begreift die-jenigen Stoffe in sich, die, wenn auch dem Organismus zum Theil schon