Wachs, gewöhnliches. 315
setzt, täglich gewendet, und zuweilen besonders an heissen Tagen mit rei-nem Wasser begossen. Wenn die Oberfläche gebleicht ist, wird das Wachsunigeschmolzen, wieder gebändert und nochmals gebleicht, und diese Ope-rationen werden wiederholt, bis es durch die ganze Masse hinreichendentfärbt ist, wozu 3 bis 5 Wochen erforderlich sind. Das Wachs wirddann geschmolzen, wozu trockenes schönes Wetter erforderlich seinsoll, und auf einer benetzten Tafel in dünnen Scheiben von etwa 120Millimeter Durchmesser und etwa 40 Grm. Gewicht gegossen, undkommt so in den Handel.
Bei dem grossen Zeitaufwand, den diese Art des Bleichens ver-langt, hat man versucht, das Wachs durch Einwirkung chemischer Mit-tel zu entfärben; Chlor und unterchlorige Säure bleichen das Wachswohl leicht, es nimmt hierbei aber Chlor auf, und die daraus darge-stellten Kerzen entwickeln beim Verbrennen Salzsäure. Besser ist dasBleichen mit Salpetersäure; man versetzt zu dem Ende das Wachsnach dem Schmelzen mit etwas Schwefelsäure, die mit dem 2- bis 3fa-chem Wasser verdünnt ist, und setzt unter fortwährendem Umrührensalpetersaures Natron in kleinen Portionen hinzu, wo die Masse hin-reichend erwärmt gehalten wird, so dass das Wachs flüssig bleibt. DerFarbstoff wird hier durch die Salpetersäure zerstört, ohne dass dasWachs selbst merkbar verändert wird. Smith will das Wachs mitdoppelt-chromsaurem Kali und Schwefelsäure bleichen; es fragt sich obsich das Chromoxyd leicht so vollständig entfernen lässt, dass das Wachsweiss erscheint. Das Bleichen von Wachs am Sonnenlicht ist bis jetztfast auschliesslich im Gebrauch.
Das gebleichte Wachs weisses Wachs Cera alba ist weiss anden Kanten durchscheinend, es ist ohne Geruch und Geschmack, seinspecii. Gewicht ist 0,976 bei 10° C, es wirdbeietwa30° C. weich und l&sstsich kneten, schmilzt aber erst bei 63° bis 64° C. Das Wachs dehnt 3ichbeim Erwärmen rasch aus, im Moment des Schmelzens selbst wenigerstark; ist das Volumen bei 0° = 1,000, so ist es bei 50°C. = 1,068,bei 60°C. = 1,128; bei 64«C.= 1,161 und nach dem Schmelzen 1,166.Die Ausdehnung berechnet sich nach Kopp nach den Formeln:festes Wachs: F=l + 0,001070«—0,000055801 /-'-f-0,0000012237^flüssiges Wachs: So = 1,1656 -f- 0,001009 b oder 33= 1 -f- 0,000866 b(wo 33 das Volumen des flüssigen Wachses bei 64° C. = 1,0 und b dieAnzahl Grade über dem Schmelzpunkte). Die latente Wärme (für gel-bes Wachs beim Schmelzen) ist nach Person = 43,5. Die specifi-sche Wärme zwischen -j-3° und — 21°C. =0,428; zwischen 26° und6» C. = 0,50; zwischen 42» und 26°C. = 0,82; zwischen 5S" und 42»= 1,72; zwischen 100° und 65«C.= 0,499. Das Wachs ist in der Kältehart, spröde, kaum klebend, sich nicht fettig anfühlend, und hat splittri-gen Bruch. Das Wachs zeigt gewöhnlich keine kristallinische Textur;Nach Böttger bemerkt man aber beim langsamen ruhigen Erkaltenvon geschmolzenen gelbem oder weissem Wachs, welche 0 gar:z frei vonLuftbläschen ist, die Bildung von undurchsichtigen Punkten, von wel-chen aus die Krystallisation erfolgt; nach ihm gleicht die Form derKrystalle der der Bienenzellen.
Nach Dujardinlässt sich beim Erstarren von Bienenwachs unter demMikroskop untergünstigenUmständeneinkrystallinisehes Gefüge erkennen.
Das Wachs ist unlöslich in Wasser, es löst sich auch bei Ueber-schuss von siedendem Alkohol nur theilweise (s. unten), in der Kälte
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