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9 (1864) [U - Z]
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264 Verwesung.

reicheren Moder, der dann allerdings selbst wieder zu Kohlensäureund Wasser verbrannt wird. Mit diesen Zer=etzungen kommen imWesentlichen diejenigen überein, welche mehrere sogenannte Extrac-tivstoffe und Farbstoffe erleiden, wenn sie in wässeriger Lösung derLuft dargeboten werden. Unter Entwicklung von Kohlensäureschlägt sich ein dunkel gefärbter Körper nieder, welcher in seinen Ei-genschaften mit dem Humus übereinstimmt. Geht die Verwesung derHolzfaser bei beschränktem Zutritt des Sauerstoffs von statten, so ent-stehen je nach den Bedingungen, unter weichen die Zersetzung erfolgt,entweder Torf, Braunkohle oder Steinkohle. Auf gewisse Erschei-nungen fussend hat man die Vermuthung ausgesprochen, dass stick-stofffreie organische Verbindungen beim Verwesen unter gewissen Um-ständen ans der Luft Stickstoff aufnehmen, theils in Gestalt von Am-moniak theils von salpetriger Säure; allein diese Erscheinungen, wo-runter die Salpeterbildung in sich zersetzenden Pflanzenextracten vor-zugsweise, zu nennen, lassen meist auch andere Deutungen zu und sindnicht exact genug studirt, um daraus solche Schlüsse zu ziehen, wieman es gethan hat.

Da die Verwesung eine Oxydation ist, so muss sie auch vonWärmeentwickelung begleitet sein; eine solche ist denn in der Thatauch ohne Schwierigkeit zu constatiren. Da die Oxydation nun sehr all-mälig erfolgt und fortwährend Wärmeeiitziehung durch die Umgebungstattfindet, beträgt die Temperaturerhöhung in der Regel nur wenigeGrade, aber bei grösseren Massen kann sie sich unter günstigen Um-ständen bis zur raschen Verbrennung steigern. Hierher gehören dasDampfen des Mistes und die zahlreichen Fälle von Selbstenzündungorganischer Substanzen wie Flachs, Hanf, Molle, Heu u. a. m. (vergl.Bd. VII, Art. Selbstentzündung). Liehentwickelung ist bei Ver-wesungen verhältnissmässig selten; sie findet statt bei faulendem Holze(Scheinholz).

Fasst man die Verwesung ganz allgemein als eine allmälig und beigewöhnlicher Temperatur erfolgende langsame Verbrennung organischerKörper auf, so müsste man consequent alle unter solchen Umständenerfolgende Oxydationen organischer Verbindungen als Verwesungser-scheinungen bezeichnen, so das Bieichen der Farben an der Luft undbei der Rasenbleiche. Bei der Bleiche stellt sich alsbald an der ganzenOberfläche der Zeuge ein langsamer Verbrennungsprocess ein, dasGewicht des Zeuges nimmt fortwährend ab, die färbenden Materienverschwinden und mit ihnen eine beträchtliche Quantität Cellulose, in-dem ihre Elemente in SauerstollVerbindungen übergehen. Bei einerlänger dauernden Einwirkung verliert das Zeug seinen Zusammenhangund verwandelt sich in eine der Papiermasse ähnliche Substanz, welchefortfährt zu verwesen, so lange die Bedingungen zur Sauerstoffauf-nahme noch gegeben sind. Hier haben wir es in der That nur miteiner teclini=chen Verwerthung des Verwesungsprocesses im grossenMaassstabe zu fhim. Oxydationen organischer Körper dagegen unterEntwickeiung von Kohlensäure, welche nicht bis zu den P]ndproductenvorschreiten, dürften nicht hierher zu zählen sein; so dürfte die Umwand-lung der Gerbsäure in Gallussäure und Zucker unter Entwickeiungvon Kohlensäure zu den Gährungen zu stellen sein, und die Oxydationder Gerb- Gallus- und Pyrogallussäure in alkalischer Lösung ebenschon wegen der Mitwirkung der Alkalien dem Begriffe der Verwesung