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Kurt Sprengels Handbuch der Semiotik
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In den meisten Krankheiten, wo die Nerven verstimmtsmd, entsteht ein widriger Geschmack im Munde, ohne dieGegenwart materieller Eindrucke, und geht alsdann oftvor dem Ausbruche der heftigsten Nervenzufälle her. Inhitzigen Ncrvensiebern und in chronischen Nervenkrankheiten,in hysterischen Anfällen, wie in der Epilepsie, wird der Ge-schmack höchst verdorben. Angenehme Dinge schmecken übel,

und widrige Sachen erregen einen angenehmen Geschmack.

817.

Doch es ist Zeit, die verschiedenen widernatürlichen Ver-änderungen des Geschmacks näher durchzugehen.

Der unkräftige, stroherne, schleimichte, fade Geschmackim Munde ist meistens die Folge von der Abschcidung zäher,»i«kräftiger, fchleimichter Säfte auf der Zunge, und kommtalso in schleichenden Nervenfiebern, in Schleimsiebern undim chronischen Zustande der atonischen Gicht, der Scrophiln,der schleimichten Schwindsucht und der Wassersüchten vor.In allen diesen Krankheiten ist, wegen erschlaffter Abson-derungsorgane, ein zäher, roher Zustand der Säfte vorhan-den. Zugleich smdet man einen schleimichten Ueberzug derLippen, der Zähne und der Zunge, (H.ZH7.H42. 3/l. 3/y.)und man schließt mit Recht aus diesen vereinigten Zeichenauf Langwierigkeit und Hartnäckigkeit der Krankheit, undauf Störung der Kochung.

8.8.

Der saure Geschmack im Munde ist äußerst gewöhnlich.

Mit Unrecht glaubt man, daß er immer saure Unreinigkei-tcn des Magens anzeige; er läßt gewöhnlich nur auf ge-störte Absonderung in den Gefäßen der Zunge, und aufsaure Ausartung der Säfte der Zunge schließen. In denmeisten hitzigen Nervensiebern, in der atonischen Gicht, inhysterischen Anfällen wird er sehr häusig beobachtet, wo erbloß Verstimmung der absondernden Organe anzeigt.

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