296 ----- »
Fünftes Capitel.
Von den Fehlern des Geschmacks.
I. Widernatürlicher Geschmack.
8 >4.
Nichts ist gewöhnlicher, als daß Kranke einen fremden,widernatürlichen Geschmack auf der Zunge und im Mundchaben. Irrig glaubte man sonst, daß derselbe von Unrei-nigkeiten herrühre, die aus dem Magen aufstiegen. Oft istder Magen an diesem Fehler des Geschmacks ganz un-schuldig, und der Ursprung dieses Fehlers muß genauer er-klärt werden.
Die Zunge ist ein wichtiges Absonderungsorgan, (§.34?.) welches mit andern Organen in genauem ßonsensestehet. sF. H49») Werden demnach auf ihrer Oberflächewidernatürliche Feuchtigkeiten abgesondert; so machen die-se einen fremden Eindruck auf die Enden des Geschmacks-nerucn. Aber auch dieser ist selbst den Fehlern unterworfen,die, ohne widernatürliche äußere Eindrücke, ihn fähig ma-chen, fremdartige Empfindungen zu erregen.
Man sieht also ein, daß man bey Erklärung des wi-dernatürlichen Gcschmctcks theils auf die materielle Ursacheder abgesonderten Feuchtigkeiten, theils auf den Zustand desGeschmacksnerven selbst Rücksicht nehmen müsse.8'F.
Wegen des äußerst wichtigen Konsenses, der zwischender Zunge und andern Organen Statt findet, ist der übleGeschmack einsehr allgemeines Phänomen in denen Krank-heiten, wo die Absonderung leidet. Die gewöhnlichsten ka-tarrhalischen und gastrischen Zufälle sind mit diesem Feh-ler des Geschmacks verbunden, und man erkennt den Ueber-gang der Krankheit in den Zustand der Kochung und Cri-<ö!-. daraus, wenn der Geschmack wieder natürlich wird.