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Kurt Sprengels Handbuch der Semiotik
Entstehung
Seite
230
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Bekannt ist, daß im natürlichen Zustande, zumahl beyreihbarcrn Personen, jeder Diätfthler, jedes Uebermaß imGenuße geistiger Getränke, und in Befriedigung des Ge-schlechtstriebes, jcde Nachtwache, jede heftige Leidenschaft,ja selbst die stärfcrn Anstrengungen dieser Organe beym

Schreyen, die Stimme heiser machen.t'Z5.Eben so bekannt ist, daß es eine katarrhalische, äußerstgewöhnliche Rauhigkeit der Stimme gibt, die man ausdem Consens des Stimmorgans mit dem Hantsystem und ausder Fortpflanzung des gereihten, krampfhaften Zustandesder Haut auf den Kehlkopf und seine Bänder herleitenmuß. Die Erkenntniß der begleitenden katarrhalischen Zu-fälle und der vorhergegangenen Ursachen erleichtert die

Diagnostik dieser katarrhalischen Heiserkeit.6Z6.Eine chronische und äußerst hartnäckige Heiserkeit der

Stimme, ohne jene Zeichen eines vorübergehenden Katar-rhes, läßt auf Erschlaffung und Schwäche der Bänder desKehlkopscs schließen, welche wir bey sehr fetten Personenim übrigens neutralen Zustande, bey Leuten, die die Brust-wassersucht und die schleimige Schwindsucht haben, sehrhäufig bemerken. Man hat sogar aus dieser hartnäckigenRauhigkeit ein charaktcristiscl'es Zeichen der anfangendenSchwindsucht hernehmen wollen, *) wogegen doch man-che Erfahrungen streiten.

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Auch im Aussatze ist die hartnäckige Rauhigkeit derStimme als ein sehr beständiges Symptom beobachtetworden; man weiß, daß im Mittelalter die des AussatzesVerdächtigen die Probe singen mußten. ")

Und in der Lustfeuche ist dieser Zufall so gemein, daßer vom Anfange an die ganze Krankheit hindurch fortzu-

*) 3g! Ion. üb. M. con«. 2. P. 2l<.' ) bensler 00m Aussaße, G. II«.