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2) Radix Belladonna?, Tollkirschenwurzel. Eine ästige, lange, biszu 4 Oentimetem dicke, mit langen einfachen Aesten versehene, frisch fleischige,getrocknet mehlige, aussen längsstreifige und runzelige, sowie auch gelblich-graueWurzel, innen weisslich. mit im Umfange in einen Bing gestellten genäherten,nach innen zerstreuten, gelblichen, porösen Holzbündeln versehen; beim Zer-brechen stäubend.
Holzige, zähe, schwärzliche, schimmelige, von Insekten zerfressene Wurzelnsind zu verwerfen und wird vor schrifts massig verlangt, dass sie nicht überein Jahr aufbewahrt werden soll.
Verwechselungen der Folia Belladonna? sollen vorkommen mit denenvon Solanum nigrum L. Dieses hat kleinere, am Rande ausgeschweifte oder buchtig»ezähnte Blätter. Die rad. Belladonna? soll bisweilen mit der Klettenwurzel undjungen Althäawurzeln verwechselt oder vermischt werden; von ersteren unter-scheidet sie sich durch das Verhalten des wässerigen Auszuges gegen Chloreisen,indem der der Klettenwurzel schmutzig blaugrün gefärbt wird, der der Belladonna-wnrzel aber gar keine Veränderung erleidet; die letztere dagegen lässt sichschon bei genauerem Augenschein durch die vielen Gruben der Wurzelfasern, lang-faserige Textur, Biegsamkeit, weisse Farbe der Marksubstanz und den schleimigenGeschmack erkennen.
Hauptsächlich wirksamer Bestandtheil der Blätter und der Wurzel.Als solchen bezeichnen wir das Atropin und zwar enthält die Wurzel, was fürdie Therapie von Bedeutung ist, mehr Atropin als die Blätter, ja nach Schroffist die Belladonnawurzel im Juli doppelt so reich als die Blätter der Pflanze inandern Jahreszeiten. Neben dem Atropin wurde von Lübekind in der Wurzelein zweites Belladonna-Alkaloid entdeckt und zum Unterschiede vom Atropin vonihm Belladon nin genannt. In der Therapie hat jedoch vorzugsweise dasAtropin eine grosse Bedeutung erlangt und die Gleichmässigkeit seiner Wirkung,sowie die Leichtigkeit seiner Dosirung haben ihm eine wirkliche Superiorität überdie verschiedenen nicht immer sicheren und gleichmässig wirkenden Belladonna-präparate verschafft.
Das Atropin erscheint in luftbeständigen, büschel- und sternförmig ver-einigten, farblos durchsichtigen oder weissen seidenglänzenden Säulen und Nadelnoder bildet eine farblos durchsichtige glasähnliche Masse. Die Blätter enthaltenüberdies noch den von Richter entdeckten Schillerstoff und Asparagin.Die Wurzel S chi Herst of f und den Farbstoff Atrosin.
Wirkung. Nareotiewn arre.
Präparate. Pith herb. Belladonnae, Atropinum, Atropin, Atropinumsulphiiriemn, schwefelsaures Atropin, Extraktum rad. Belladonnae, Tollkirschen-extract, TincUira rad. Belladonnae.
Anwendung. Kleinere Gaben bewirken das Gefühl von Trockenheit undKratzen im Schlünde. Erweiterung der Pupillen und bei bestehender krankhafterEmpfindlichkeit der Nerven, krankhaften Zuständen und Schmerzen Milderungdieser. Grössere Gaben erzeugen neben diesen Erscheinungen Verdunkelung desGesichtes, Klingen vor den Ohren. Uebelsein, Würgen. Erbrechen, Betäubung.Hallucinationen, Unruhe, Röthung der Augen, frequenten Puls, Schlingbeschwerden,oft auch vermehrte Harnabsonderung und Hantausdünstung; bei noch grösserenGaben werden die Zufälle gesteigert, die erweiterten Pupillen werden völlig un-beweglich, die Augen gegen das Licht unempfindlich u. s. w. Oft tritt ein sehr