Druckschrift 
1 (1828) Einfache Mittel
Entstehung
Seite
486
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

486

Hxusc^mnus

Trockne verdunstet. Der Rückstand wurde wieder in Alkohol aufgelöst undmit Waffer vermischt, wodurch eine weißliche Trübung entstand. Der dieTrübung verursachende Stoff wurde auf einem Filter gesammelt, und nochmit Wasser ausgewaschen. Hierauf wurde er wieder in Alkohol gelöst undin gelinder Wärme abgedunstet; der Rückstand war eine stearinartige', odervielmehr fettwachsartige Materie. Die wäßrige siltrirte Flüssigkeit wurdegleichfalls abgeraucht, und eine weiße durchsichtige Masse erhalten, welchebetäubend roch, außerordentlich bitter schmeckte, an der Luft zerstoß, in Was-ser und Alkohol gleich auflöslich sich zeigte, das narkotische Princip des Bil-senkrautes enthielt, und auf die Pupille mit großer Intensität wirkte. Aetz»lauge schied aus der wäßrigen Lösung einen gallertartigen weißen Bodensatzunter geringer Entwickelung von Ammoniak aus; Ammoniak verhielt sichähnlich. (Galläpftltinctur, die im Allgemeinen auf alle Pflanzenalkaloide rea-girt, wurde nicht angewendet.) Brandes konnte dieses Alkaloid für sichnicht darstellen, die Auflösung wurde durch basisches essigsaures Blei gefällt,und nach Ausscheidung des überschüssig zugesetzten Bleies aus der rückständi-gen essigsauren Auflösung durch phosphorsaures Natron die Kalkerde ausge-schieden, worauf Ammoniak und Aetzlauge noch schleimige Niederschlage her-vorbrachten, welche das Alkaloid darstellten, das mit Säuren eigenthümlicheSalze bildete. Doch sind diese nicht näher beschrieben, und das Alkaloid,Hyoscyamin, mehr als problematisch zu betrachten. Die aus dem Bleinie-derschlage gerrennte Säure verhielt sich wie Aepfelsäure.

Der Saamcnrückstand wurde hierauf mit Wasser ausgezogen, dann nochmit Alkohol aufgekocht, endlich auch Salzsäure und Kalilauge zur gänzlichenErschöpfung angewandt.

Nach Brandes enthalten 1000 Th. Saamen: fettes in Alkohol leichtlösliches Oel 196,0; fettes in Alkohol schwer lösliches Oel 460; besonderesiearin- oder vielmehr fettwachsartige Substanz 9,6; Wachs 14,0; Halb-harz 30,0; thierisch-vegetabilische Materie (Phyteumakoll») 34,0; Eiweiß8,0; verhärtetes Eiweiß 37,5; äpfelsaures Hnoscyamin mit Antheilen vonäpfels. Kalk, Talkerde, Kali- und Ammoniaksalz 63,0; schwefels., äpfels.und salzs. Kali 4,0; äpfels. Kalk 4,0; äpfels. Talkerde 2,0; Phosphors.Kalk und Talk 24,0; Gummi 12,0; Traganthstoff 24,0; Stärkemehl 15,0;Schleimzucker eine Spur; Faser 260,0; Wasser 240,0. 8. -^ 102S.Die Asche enthielt: kohlens,, Phosphors., salzs. und schwefels. Kali; viel Phos-phors. Kalk und Kieselerde, schwefels. Kalk, Eisenoxyd, Manganoxyd, Kupfer-oxyd eine geringe Spur.

Auch Pe schier (Trommsd. N. I. V. 1. S. 92.) will gleichzeitig mitBrandes ein Alkaloid aus den Blättern des Bilsenkrautes dargestellt ha-ben, indem er die Abkochung mit Ammoniak und Talkerde behandelte; fernererhielt er eine eigenthümliche Säure, und ein aromatisches nach Kantharidenriechendes Princip.

Runge schied auf die bei Lellaäouni» angegeben« Weise die narkotischeBase des Bilsenkrautes aus.