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Reagentien
Die Reagentien zeigen eine verschiedene Empfindlichkeit, d. h. ihreFähigkeit, durch die Wechselwirkung mit den Substanzen, welche durch sieangezeigt werden, bei gleicher Menge dieser verschiedenen Substanzenmehr oder weniger auffallende Veränderungen zu veranlassen, ist verschie»den. Die Empfindlichkeit der Reagentien bezieht sich zunächst auf die re»lative Menge der Substanz, welche durch das Reagens angezeigt wird,d. h., auf den Grad der Verdünnung der Auflösung, in welcher sich diedurch das Reagens zu entdeckende Substanz befindet, und von mehrerenReagentien für eine und dieselbe Substanz ist also dasjenige Reagens dasempfindlichste, welches dieselbe noch in der am meisten verdünnten Auflösunganzeigt. Hierbei kommt es aber wesentlich auf den Grad der Verdünnungder Auflösung des Reagens selbst an; je verdünnter die Auflösung desselbenist, desto geringer seine Empfindlichkeit, daher denn die Reagentien im All»gemeinen in ihren gesättigten Auflösungen angewendet werden müssen. Hin»sichtlich der Empfindlichkeit der Reagentien kommt aber auch die absolut«Menge derjenigen Substanz, welche angezeigt werden soll, in Betracht, undes giebt auch dafür einen Maßstab, über welchen hinaus das Reagensleine Wirksamkeit mehr zeigt, so daß die durch das Reagens hervorgebrachteVeränderung nicht mehr wahrgenommen weiden kann, wenn man auch di«relative Menge durch Verdunsten des Austösungsmittels vergrößert hat.Endlich ist aber auch noch auf die Zeit Rücksicht zu nehmen, innerhalb wel»cher nach dem Zusätze des Reagens die sichtliche Veränderung, Trübung oderder Niederschlag sich zeigt. Sowie die Verdünnung der Auflösung weite«und weiter schreitet, tritt die durch das Reagens zu bewirkende Veränderung,wenigstens für den Beobachter, nun nicht mehr augenblicklich nach dem Zu»satze desselben ein, sondern nach dem Grade der Verdünnung früher ode«später, so daß man aus der nicht scgleich erscheinenden Veränderung kei«nesweges auf die völlige Abwesenheit des gesuchten Stoffes schließen darf,sondern die Mischung einige Zeit sich selbst überlassen muß. Bei hohenGraden der Verdünnung können einige Tage nöthig seyn, ehe der Nieder»schlag sichtlich wirb, z. B. zur Ausscheidung des Kalis aus dem schwefel«sauren Kali oder dem Chlorkalium durch die Weinsäure als Weinsteinbei ZUOfacher Verdünnung der Auflösung. Einige Reagentien zeigen diesonderbare Erscheinung, daß in den ersten Secunden nach der Zumischungsich gar nichts Sichtliches ereignet, und daß dann plötzlich die Farben»änderung, die Trübung durch die ganze Auflösung sich verbreitet; z. B.Lackmustinctur gegen schwache Säuren: besonders gegen die Kohlensäure.
Die Anwendung der Reagentien geschieht in den meisten Fällen in derAuflösung, und zwar dient im Durchschnitte das reine destillirte Wasser alsAustösungsmittel. Auch befindet sich dann die ouszumittelnde Substanzselbst aufgelöst, und zwar gleichfalls im Waffer, in welchem sie entwederfür sich oder mit Hülfe irgend einer andern Substanz (einer Säure, einerBase) aufiöslich ist. Wenn da« Reagens selbst als Auflösungsmittel wirkt,und durch die geschehene Auflösung die auszumittelnde Substanz anzeigt, so