Reagentien.
Diejenigen Reagentien, deren Bereitung wir oben auseinander-gesetzt haben, sind nur dem Namen nach angezeigt. Es ist abernöthig, daß sie im reinsten Zustande, von beigemischten fremd-artigen Stoffen völlig frei, angewendet werden.
Unter einem chemischen Reagens verstehen wir jede einfache oder zusam-mengesetzte Substanz, welche, in chemische Wechselwirkung mit irgend einerandern Substanz gebracht, durch eine auffallende Veränderung für irgendein Sinnorgan, besonders für das Auge, von eigenthümlicher Art das Vor»handenseyn dieser Substanz anzeigt. Es versteht sich von selbst, daß dieangezeigte Substanz wieder von ihrer Seite als Reagens zur Entdeckungjener ersten Substanz gebraucht werden kann. So ist z. B. SchwefelsaureReagens auf Baryt, dieser rcagirt wieder seinerseits auf Schwefelsäure.Es ist also in diesem Sinne der Begriff Reagens ein relativer, und es iststets die bekannte Substanz, durch deren Anwendung man eine noch un-bekannte aufsucht, das Reagens. Wir bedienen uns der Reagentien, umdie Gegenwart oder Abwesenheit gewisser Stoffe auszumitteln. Damit hieraber keine Täuschungen entstehen, müssen die Reagentien selbst durchaus völ-lig rein seyn.
Gewöhnlich zeigen die Reagentien durch Farbenveränderung und Trü-bung der Auflösungen, und durch Bewirtung eines Niederschlages die aus»zumittelnte Substanz an, indem sie mit letzterer eine in dem Auflösungs-mittel entweder ganz unauflösliche oder schwer auflösliche Verbindung ein-gehen, oder die auszumittelnde Substanz durch die Verbindung, welche dasReagens mit dem Auflösungsmittel selbst eingeht, in einen unauflöslichenZustand versetzen. In manchen Fällen kann aber auch das Reagens selbstals Auflösungsmittel der zu erforschenden Substanz wirken, und durch diegeschehene Auflosung, sowie durch die Farbe derselben, die Natur derSubstanz anzeigen, wie z. B. das Ammoniak durch die blaue Farbe, diees vom aufgelösten Kupferoryde annimmt.