Druckschrift 
2 (1833) Zusammengesetzte Mittel
Entstehung
Seite
441
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

unter VUdung von Kohle zn Kalomel und Salzsäure, und bei der An-wendung des Terpenthinöls bildet sich zugleich eine Art künstlicherCampher; mit Nelkenöl und Pfeffermünzöl destillirt eine purpurfarbigeVerbindung von Salzsäure mit dem Oele über.

Der Sublimat wird in der Heilkunst gegen Syphilis sowohl innerlichals äußerlich «erordnet. Man muß aber hierbei auf die oben erwähnte».Umstände Rücksicht nehmen, und eine Auflösung des Sublimats mitGummi, Errracten u. s. w. gemischt nicht lange den Einwirkungen desLichtes aussetzen. Grischow bemerkte, daß Tuvlimat durch Zimmtwas-ser zersetzt, und wahrscheinlich benzoesaures O.uecksilberoipd niedergeschla-gen wurde. Einer Mischung aus Sublimat und Mobnstift wurde Kalk-wasser zugesetzt, und hierdurch nicht ein rother, sondern ein schmutziggrauer Niederschlag erhalten. Zum innerlichen Gebrauche wird er amhänfiasten und am zweckmäßigsten in Pillenform verordnet, und zwar mit8l>«cul l^uiril!»«, welcher am wenigsten zersetzend wirkt, unddiePil-len auflöslich erhält. Prof. Taddei hat empfohlen, den Sublimat mitdem aus dem Weizenmehl durch Auswaschen der Stärke dargestelltenKleber zu Pillen gemacht innerlich anzuwenden, wodurch der Sublimat sogedämpft werde, daß man unbestraft große Gaben verabreichen könne. Die-ses Dämpfen des Sublimats hat aber in der zum großen Theil erfolgendenZersetzung des Sublimats seinen Grund, und ganz dasselbe erfolgt in den»ach Dzondi's Methode aus Semmelkrumen bereiteten Pillen, die auchfrisch bereitet Kalomel enthalten. Die zweckmäßigsten Einhüllungsmittelmöchten wohl destillirtes Waffer, Lakrizensafc, Altheepulver u. vgl. sepn.

Die Reinheit des Sublimats geht aus den oben angeführten Eigen-schaften hervor. Siebt er mit' Wasser und Alkohol nicht eine vollkom-men klare und farblose Auflösung, sondern bleibt ein Rückstand, so istdies Kalomel, das mit Kalkwasser Übergossen eine schwarze Farbe an-nimmt. Man hat bisher den in Fabriken bereiteten Sublimat in Ver-dacht einer Verfälschung mit Arsenil gehabt, indessen widersprachen demdie Erfahrungen der bewährtesten Chemiker; weißer Arsenik würde vomWeingeifte nicht aufgenommen werden.

Durch die höchst giftigen Wirkungen dieses Quecksilbersalzes kann sehrleicht Lebensgefahr herbeigeführt werden, und in solchen Fällen ist nach denErfahrungen von Orfila Eiweiß ein so vortreffliches Gegengift, daß diegiftigen Wirkungen des Chlorids dadurch in wenigen Augenblicken aufhö-ren. Die Eigenschaft des Eiweißes, das Chlorid aus seiner Auflösung nie-derzuschlagen, veranlaßt« ihn, bei einer ihm vorgekommenen Vergiftungdieses leicht anzuschaffende Mittel zu versuchen. Dem Kranken wurdesogleich dadurch geholfen, und die Erfahrung hat nachher die RichtigkeitdieserEntdeckung bestätigt. T« ddeihat auch den Kleber wirksam gefunden.Um in solchen Ver«ifttmg?fa!!en den Sublimat nachzuweisen, ist das salz-saure Zinnorydul (Zinnchlorür) das empfindlichste Reagens, dessen Kenntnißwir Vostock «erdanken. Dieses Reagens zeigt noch bei einer Sublimat-

f