— 146 -
per noch viel mehr aufzuschliessen, ihm eine weit grössereOberfläche zu geben, damit seine wirksamen Bestandteilevon irgend einem Applikationsorgane leichter aufgenommenund assimilirt werden können, oder auch ihn für Auflösungs-mittel zugänglicher zu machen.
Das Pulvern geschieht in einem Mörser durch Stossenoder Reiben mit dem Pistill. Die Mörser bestehen aus Guss-eisen, Porcellan oder Stein, das Pistill ist gewöhnlich ausdemselben Material oder aus Schmiedeeisen gefertigt. Ku-pferne oder messingene Mörser meidet man gern, weil wäh-rend des Pulverns sich Theile dieses der Gesundheit schäd-lichen Metalls abstossen und sich mit dem Pulver vermi-schen. Das Stossen mit sehr schweren Pistillen pflegt mangewöhnlich durch eine an der Decke der Stosskammer an-gebrachte Schwungstange (junge Fichte) sich zu erleichtern,welche durch ihre Elasticität das aufstossende Pistill wiederin die Höhe zieht. Die Stossüäche des Pistills ist mit derFläche des Mörserbodens gleichlaufend.
Hat man sehr stäubende oder scharfe und giftige Sub-stanzen zu pulvern, so wird der Mörser durch eine glattelederne Hülle, deren unteres Ende den Mörserrand undderen oberes Ende ungefähr das Pistill in seiner Mitte dichtumschliesst, verschlossen. In diesem Falle bewirkt mandas Pulvern mehr durch Reiben als Stossen. In Mohr'sLhrbch. der pharm. Tcchn. findet man übrigens vorzüglicheVorrichtungen zum Pulvern starkstäubender Stoffe ausführlichund durch treffliche Zeichnungen erläutert und beschrieben.
Die in Pulver zu verwandelnden Substanzen müssendie gehörige Trockenheit haben. Das Trocknen der vegeta-bilischen Stoffe, welche keine flüchtigen Arzneibestandtheileenthalten, wie viele Rinden Wurzeln Hölzer kann bei einerTemperatur von 50 bis G0° C. geschehen; enthalten sie aberätherische, flüchtige Bestandtheile, so ist eine Temperaturxow. 4-30° bis 35° C. mehr denn genügend. Die Trock-nung geschehe in der möglichst kürzesten Zeit und an einemdunklen Orte.
Das Trocknen einiger mit flüchtigem Oel überladenenStoffe, welche zugleich einen besonderen niedicinischen Werth