Fünftes Capitel. Silber. 37
Europa Proben zur Analyse eingesendet, und zwar nach Wien, Madrid,London, Amsterdam, Utrecht, Neapel, Hamburg, Altona, und in Parisselbst von d'Arcet undVauquelin die Probe vorgenommen. DerVerlust an Silber betrug im Mittel 5 bis C Tausendtel, und erreichte ineinzelnen Proben 9 bis 13 Tausendtel. Nachdem durch so viele Resul-tate die Ueberzeugung gewonnen worden war, dass der Werth des Sil-bers durchgängig zu niedrig geschätzt werde, und zwar um eine verän-derliche Menge, wurde in Frankreich das neue Verfahren der Probe aufnassem Wege, und zwar mittelst der Maassanalyse, eingeführt, und hatjetzt überall das alte verdrängt. Dieses Verfahren rührt dann auchwieder von dem vortrefflichen Gay-Lussac, dem Vater der Maass-analyse, her, und ist von ihm in einer solchen Ausarbeitung und Voll-endung mitgetheilt worden, dass es bis jetzt, trotz der tausendfältigenAnwendung aller Orte, noch nicht gelungen ist, dem Verfahren diekleinste Veränderung, geschweige denn Verbesserung hinzuzufügen.
Eine deutsche Bearbeitung dieses Werkchens ist im Jahre 1833 *)von Liebig besorgt worden.
Der Maassflüssigkeiten, welche hierbei angewendet werden, sinddrei: zwei Kochsalzlösungen und eine Silberlösung. Da bei dieser Ar-beit nur ein Zweck vor Augen schwebt, nämlich die möglichst genaueBestimmung des Silbergehaltes, so findet die systematische Zusammen-setzung der Maassfliissigkeiten nicht statt. Die Zuverlässigkeit der Re-sultate hängt, neben der Richtigkeit der Maassgefässe, einzig von demrichtigen Titre der Maassflüssigkeiten ab, und wir haben diesem Gegen-stande unsere erste Aufmerksamkeit zu schenken.
Darstellung des reinen Silbers.
Das im Handel vorkommende Feinsilber ist zu diesem Zwecke nichtrein genug. Es enthält leicht Spuren von Gold und Kupfer. Man wähleein möglichst reines Silber, in Ermangelung Münzen von hohem Gehalt,wie Doppeltthaler, französische Franken, löse sie in Salpetersäure auf,verdünne mit Wasser und filtrire die Flüssigkeit in eine weite Flasche ;in diese Lösung giesse man eine filtrirte Lösung von Kochsalz bis zueinem kleinen Ueberschuss. Ein grosser Ueberschuss würde lösend aufdas Chlorsilber wirken und Verlust veranlassen. Man schüttele tüchtig umund lasse absetzen. Die überstehende blaue Flüssigkeit, wenn kupferhal-tiges Silber angewendet wurde, giesse man vorsichtig ab und erneueredas Wasser in der Flasche. Man kann dazu Brunnenwasser nehmen undam besten warmes. Setzt man auch noch etwas Schwefel- oder Salpeter-säure hinzu, so scheidet sich das Chlorsilber um so leichter ab. Nachdemman alles Kupfer abgewaschen hat, wovon man sich durch eine Probe mit
*) Vollständiger Unterricht über das Verfahren, Silber auf nassem Wege zu probiren.Deutsch bearbeitet nach Gay-Lussac von Justus v. Lieb ig. Mit 0 Kupfer-tafeln in Folio, gr. 8. geh. Braunschweig. Fr. Vieweg u. Sohn. 1 Thlr. 10 Ggr.