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1 (1875)
Entstehung
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Bio Flüsterstiiiime.

Die Vocale entstehen nicht im Kehlkopfe, .sondern in der Mund-und in der Rachenhöhle, in dem Ansatzrohre, welches an das Stinirnwcrkangesetzt ist, und zwar entstehen sie durch Reflexionen, welche dieSchallwellen, die aus dem Kehlkopfe herauskommen in diesem Ansatz-rohre erleiden. Wenn verschiedene Welloiisystome, diroct fortschreitendeund reflectirfe, auf einander treffen, so setzen sich, wie Sie wissen, dieImpulse zusammen nach dem Gesetze von der Coexistenz der kleinenBewegungen, ähnlich wie sich auf einem Wasserspiegel auch die fort-schreitenden und die reflectirten Wellen zusammensetzen, nur dass dieWasserwellen Transversalwellen sind, während man es beim Schall mitLongitudinalwcllen zu thun hat. So entstehen also in der Mund- undRachenhöhle complicirte Wellensysteme, welche an unser Ohr gelangenund dort wieder in verschiedene Systeme von pendelartigen Schwingungenzerlegt werden, wie wir das später in der Akustik werden kennen lernen.Vermöge dieser verschiedenen Systeme von pendelartigen Schwingungen,die wir durch eine Art physiologischer Analyse erhalten, worden ver-schiedene Arten von Nervenfasern in unserem Ohre erregt, und dadurchwerden uns qualitativ verschiedene Tonempfindungen erzeugt, welche wirmit dem Namen der verschiedenen Färbungen der Stimme belegen. Unterdie Kategorie dieser verschiedenen Färbungen fallen auch die Vocale;sie werden alle dadurch hervorgebracht, dass man dem Ansatzrohre ver-schiedene Dimensionen und verschiedene Gestalt gibt. Man kann dieVocale in eine natürliche Reihenfolge bringen, die aber nicht lauteta e i o u, sondern i e a o u. Beim i ist das Ansatzrohr am kürzesten,indem der Kehlkopf am höchsten gehoben wird, die Lippen zurückgezogenwerden und die Mundspalte der Breite nach erweitert wird. Zugleichist beim i die Ausflussöffnung relativ gross, wegen der in die Breitegezogenen Mundspaltc. Beim u dagegen ist das Ansatzrohr am längsten,indem der Kehlkopf herabgezogen wird, und die Mundöffnung nach vorngeschoben und zugleich .verengt wird, indem die Lippen in eine rundeOeffnung zusammengezogen werden. Sie sehen also, dass hier ähnlicheMittel in Anwendung gebracht werden, um auf den ursprünglichen Tonzu wirken, wie dies bei der Physharmonika der Fall ist. Ausserdem istbeim i und e der Mundkanal in eine vordere und hintere Abtheilunggebracht, indem die Zunge in der Mitte gehoben und dem Gaumen ge-nähert wird. Man hat zu verschiedenen Zeiten künsüiche Maschinengebaut, welche die menschliche Sprache nachahmen sollten. Zuerst hatWolf gang von Kcmpclen ein solches Instrument verfertigt, das, soweit es sich um Erzeugung der Vocale handelte, aus einem Stimmwerkeund einem Kautschuktrichter bestand. Dadurch, dass er letzteren mitder Hand in verschiedener Weise und mehr oder weniger deckte, undso die Resonanz des Stimmwerkes veränderte, ahmte er die verschiedenenVocale nach. Zu derselben Zeit hat Kratzonstcin, Professor der Physikin Jena, um eine Preisaufgabe der Petersburger Akademie zu lösen, dieverschiedenen Vocale dadurch nachgeahmt, dass er auf ein StimmwerkAnsatzröhren von verschiedener Form und verschiedenen Dimensionensetzte.

Wenn man Kempelen's Vocaltrichter aus Holz nachbildet, in denHals ein Stimmwerk, eine der Stimmen, wie sie zum Bau einer Mund-harmonika verwendet werden, einsetzt, und die vordere breitere Oeffnung