Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
Seite
475
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Quergestreifte Muskelfasern.

475

in dem einen Quarzkeil, weil der zweite mit seiner optischen Axe senk-recht darauf liegt, in letzterem die extraordinären Strahlen erzeugenmüssen, und umgekehrt, die Impulse der extraordinären Strahlen in demersten Quarzkeile die lebendigen Kräfte hergeben müssen für das Wellen-system der ordinären Strahlen im zweiten Quarzkeile. Wenn also daseine Wellensystem dem andern in dem ersten Quarzkeile um ein Stückvorausläuft und es im zweiten Keile eine gleiche Dicke zu durchwandernhat, so erleidet es in dem zweiten Keile wieder eine derartige Ver-zögerung, dass sich die Wirkungen beider Keile vollständig compensiren.Je nachdem ich nun eine dickere oder eine dünnere Stelle des zweitenKeiles über eine bestimmte Stelle des ersten bringe, kann ich einengrösseren oder geringeren Gangunterschied hervorbringen. Es dienen miralso diese beiden Quarzkeile in derselben Weise, wie mir Glimmerplattenvon verschiedener Dicke dienen würden, ich kann dadurch alle Farbendes Ncwton'schon RingBystcms hervorbringen, die Farben des reflectirtenLichtes und die des durchgelassenen, je nachdem ich meine Nicol'schenPrismen kreuze oder parallel stelle. Nun benutze ich den einen dieserQuarzkeile, den oberen, der frei in der Rinne h h zwischen den Leisten e eliegt, als Objectträger: auf ihm breite ich die Muskelfasern aus, welcheich untersuchen will; ich lege einige so, dass ihre optische Axe deroptischen Axe dieses Quarzkeils parallel liegt, andere so, dass ihre Axesenkrecht gegen die optische Axe des Quarzkeiles liegt. Nachdem ichnun den Quarzkeil mit den Muskelfasern an seinen Ort im Instrumentezurückgelegt und eine bestimmte Farbe eingestellt habe, erfahre ich mitLeichtigkeit aus der Drehung der Schraubenmutter v m, wie die Farbenauf einander folgen, welche einer Verdickung des Keils entsprechen, undwie die Farben auf einander folgen, welche einer Verdünnung des Keilsentsprechen. Ich kann also auch ermitteln, ob die daraufliegendenMuskelfasern, welche nun eine andere Farbe zeigen als der Grund,wirken wie eine Verdünnung oder wie eine Verdickung des Keils. Ichfinde dann, dass die Muskelfasern, welche auf dem oberen Keile parallelmit seiner optischen Axe liegen, wirken wie eine Verdickung eben diesesoberen Keils und diejenigen, welche senkrecht darauf liegen, also parallelmit der optischen Axe des unteren Keiles, wirken wie eine Verdünnungdes oberen Keiles, beziehungsweise wie eine Verdickung des unteren.Die Muskelfasern wirken also immer wie eine Verdickung desjenigenKeiles, mit dessen optischer Axe ihre optische Axe parallel liegt, dasheisst die Muskelfasern sind positiv, denn der Bergkrystall, aus demdie Keile geschnitten worden sind, ist ein positiv doppeltbrechenderKörper.

Jetzt muss ich mich weiter fragen: Wie verhält sich das sarcouselement in seinen optischen Eigenschaften bei der Contraction. Das istmir von besonderer Wichtigkeit für die ganze Vorstellung, welche ich mirvom sarcous element zu machen habe. Ist das sarcous element ein ein-heitlicher Körper, so müssen, wenn sich dasselbe verkürzt und verdickt, dieoptischen Constanten desselben sich ändern, denn in einem einheitlichenKörper geht eine Veränderung der äusseren Form auf das Molekül über,bringt eine Veränderung des Moleküls hervor. Wenn ich ein Glasstückvon zwei Seiten zusammendrücke, so wird es doppeltbrechend, wenn icheinen Kautschukriemen ausziehe, wird er doppelthrechend. Wenn dagegen