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1 (1875)
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462
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Flimmerbewegung.

Kehlkopf in die Trachea hinabsteigt. Nur die wahren Stimmbänder habenkein Flimmer-, sondern ein Pflasterepitkcl. Offenbar hängt dies zusammenmit den vielfachen Insulten, welchen die Stimmbänder beim Sprechen,beim Singen, beim Husten u. s. w. ausgesetzt sind; denn das Flimmer-epithelium ist viel weniger widerstandsfähig, als ein geschichtetos Pflaster-epithel, wie es hier gefunden wird; wissen wir doch, dass an andernOrten seeundär in Folge von Insulten, namentlich aber in Folge vonEntzündung, die Flimmercpithelien verloren gehen und Pflasterepithclicnsich an deren Stelle setzen.

Ein zweiter Tract von Flimmerepithel kommt im Nebenhoden vor.Er beginnt hier schon in den Ductuli efferentes. In diesen und in denConis vasculosis finden sich kleine Flimmerzellen, ähnlich wie die aufder Bespirationsschleimhaut; dann kommen aber im Anfange des Kanalesdes Nebenhodens sehr grosse Flimmerzellcn, welche sehr lange wellen-förmig schwingende Cilien haben.

Ein dritter Tract befindet sich in den weiblichen Geschlechtsorganen.Erstens befindet sich nach 0. Becker, der auch das Flimmorepithel imNebenhoden entdeckt hat, im Parovarium ebenfalls ein Flimmerepithclium,zweitens flimmert die innere Oberfläche der Tuben und die des Uterus,letztere wenigstens theilweise. Die Angaben über die Ausdehnung desFlimmerepithels im Uterus gehen noch bedeutend auseinander, indemEinige angeben, das Flimmerepithel bis zum Cervix uteri verfolgt zuhaben, und Andere behaupten, sie hätten nur eine Region flimmerngesehen, welche im Fundus uteri sich von der Einmündung der einenTuba zur Einmündung der andern herüber erstreckt. Wahrscheinlichhängt die Ausdehnung des Flimmerepithels hier nicht allein mit denverschiedenen Lebensaltern, sondern auch mit der Menstruation und mitden Perioden vor und nach der Menstruation zusammen. In neuererZeit hat man gefunden, dass nicht nur die innere Oberfläche des Uterusflimmert, sondern dass die Flimmern sich auch in die Drüsen des Uterus,in die sogenannten Glandulae utricularcs hinein erstrecken.

Endlich gibt es einen grossen Tract von Flimmorepithel im Central-nervensysteme. Der Canalis centralis medullae spinalis, der Boden desvierten Ventrikels, der Aquaeductus Sylvii und die Höhlen des Gehirnsflimmern. DieseB Flimmerepithel ist aber viel hinfälliger als das auf denSchleimhäuten, und man hat deshalb viel seltener Gelegenheit, dasselbezu beobachten und die Bewegungen seiner Cilien zu sehen.

Das bequemste Object für die Untersuchung der Flimmerbewegungist immer noch die Bachenschleimhaut des Frosches. Vom Menschenverschafft man sich am leichtesten Flimmerzellcn, wenn man mit einerschief abgeschnittenen und an ihrem Ende umgebogenen Kielfeder indie Nasenhöhle hineingellt und ein Stückchen von dem Epithel derSchleimhaut herunterkratzt.