Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
Seite
458
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

"-■•■-,.}

458

Flimmcrbowegung.

Ich bin deshalb so spcciell auf das Chamäleon eingegangen, weilwir hier in so deutlicher Weise die Abhängigkeit der Protoplasma^bewegungen vom Ccntralnervensystcme zeigen können. In neuerer Zeitist diese Abhängigkeit auch bei den Steinbutten nachgewiesen worden,indem, wenn diesen der Sympathicus durchschnitten wurde, der Theildes Körpers dunkel wurde, welcher seine Nerven rückwärts von derSchnittstelle bezog. Nach den Beobachtungen von Pouchet werdenFische, die erblinden oder geblendet werden, durch Ausbreitung derl'igmentzellcn, der sogenannten Chromatophoren, dunkelfarbig. Es lägstdies vermuthen, dass hier eine llcflcxwirkung vom Nervus opticus ausstattfindet, dass die Erregung des Nervus opticus eine Erregung zumContralorgan bringt, durch welche die Chromatophoren zur Zusamrnen-zichung bestimmt werden, so dass sie, wenn ihnen diese Anregung fehlt,dauernd einen grösseren Bauni bedecken.

Wir müssen uus klar machen, dass wir hier die Bewegungen vonZellen nur doshalb so gut schon, imd dass sie beim Chamäleon nur dos-halb so frühzeitig wahrgenommen worden sind, weil ein Farbenwechselentsteht. Wir müssen uns sagen, dass, da hier die nackten Zollen, welchein der Haut liegen, vom Centralncrvensysteme abhängig sind, wahr-scheinlich auch noch andere nackte Zellen, welche bei uns im Binde-gewebe und in den Organen vertheilt sind, unter dem Einflüsse desNervensystems stehen werden, dass wir davon nur nichts wahrnehmen,weil der Beobachtung zu grosse Schwierigkeiten entgegengesetzt sind.In der That gibt Kühne an, dass er die nackten Zellen, welche sichim Gewebe der Hornhaut befinden, und welche dort zwischen den Horn-hautfasern liegen, beziehungsweise sich zwischen ihnen bewegen, vonden Nerven aus zur Contraction gebracht habe, dass sie ihre Fortsätzeeingezogen hätten, in ähnlicher Weise wie die Pigmcntzellen einesChamäleons ihre Fortsätze einziehen, und Sic sehen ein, dass es für diePhysiologie und nicht minder für die Pathologie von hoher Wichtigkeitist, nähere Aufschlüsse zu bekommen über die Art und Weise, wie dasCentralnervcnsystem auf die Gewebe und die in ihnen enthaltenenZellen einwirkt.

Flimmerlbeweguiig.

An die Bewegungen der Sarkode und des Protoplasmas schliesstsich die Flimmerbewegung an. Man wusste schon seit längerer Zeit, dassgewisse niedere Thiere haarförmige Anhänge an ihrer Körperoberflächehaben, welche peitschenförmig in der umgebenden Flüssigkeit schlagen.Bei den Infusorien ist theils die ganze Körperoberflächc, theils ein Theilderselben mit solchen Härchen besetzt, und diese dienen hier der Loeo-motion, sie treiben das ganze Thierchcn in der Flüssigkeit umher. Manglaubte früher, dass dies auf niedere Thiere beschränkt sei, bis Pur-kinje und Valentin entdeckten, dass auch bei den Wirbelthieron undauch bei den Säugothicren und beim Menschen Flimmerbewegung vor-kommt. Die Flimmern oder, wie sie auch genannt werden, Cilien könnenan und für sich auf einem strukturlosen Mutterboden, sie können ein-zeln oder zu mehreren auf Zellen stehen. Bei den Wirbelthicren stehenaber alle Cilien nur auf Cylinderzellcn. Alle Flimmerepithelicn sind hier