Mechanismus der Harnsecretion.
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denn wir wissen, dass die colloiden Substanzen des Blutes, die Eiweiss-substanzen nur unter pathologischen Verhältnissen mit in die Harnwegeübergehen. Es müssen aber die Gründe für die Angabe gesucht werden,dass sich der Harn im Laufe der Harnwege durch einen Diffusionsprocessconcentrire, das hoisst, dass er Wasser wiederum an das Blut abgebe,beziehungsweise dafür gelöste Substanzen, HarnbcRtandtheilo, dem Bluteentziehe. Zunächst lässt es sich nachweisen, dass die physikalischenBedingungen für einen solchen Diffusionsprocess vorhanden sind.
Wenn man zwei Flüssigkeiten, zwei verschiedene Salzlösungen, durcheine Membran von einander trennt und sie der Diffusion überlässt, soist das normale Ende der Diffusion, dass die beiden Flüssigkeiten chemischgleich zusammengesetzt sind. Wenn ich eine Lösung von Zucker und eineLösung von Kochsalz sich mit einander diffundiren lasse, so enthalten sieam Ende des Diffusionsproccsses beide gleich viel Zucker und gleich vielKochsalz. Dieses normale Ende der Diffusion kann nicht erreicht wer-den, wenn nicht alle Substanzen durch die Membran hindurchgehen. Eskann aber das normale Ende der Diffusion, das heisst, die vollständigechemische Ausgleichung, auch dann nicht erreicht werden, wenn diebeiden Menstrua, die beiden Lösungsmittel, unmischbar sind. Es fragtsich: Was ist das Ende der Diffusion, wenn die chemische Ausgleichungnicht erreicht werden kann ? Das kann man für den Fall untersuchen,in welchem die beiden Lösungsmittel unmischbar sind.
Wenn man Aether und Wasser mit einander schüttelt, so nimmt derAether eine gewisse Quantität Wasser und das Wasser eine gewisse Quan-tität Aether auf. Wenn das aber einmal geschehen ist, so sind die beiden.Flüssigkeiten vollständig unmischbar und stehen über einander wie Oelund Wasser. Löst man in einer dieser Flüssigkeiten eine Quantität Oxal-säure auf und schüttelt beide wieder anhaltend mit einander durch, sogeht von der Oxalsäure eine gewisse Quantität in die andere Flüssigkeitüber. Wenn man einige Tage wartet und oftmals durchschüttelt, umden Diffusionsprocess vollständig zu beendigen, und hinterher die Mengeder Oxalsäure, welche sich im Wasser befindet, und die Menge von Oxal-säure, welche im Aether enthalten ist, untersucht und vergleicht, so findetman, dass beide Flüssigkeiten gleiche Bruchtheile derjenigen Mengen ent-halten, welche sie bei derselben Temperatur aufzulösen im Stande sind.Wenn man statt der Oxalsäure eine andere Substanz nimmt, welche sichin beiden Flüssigkeiten auflöst, z. B. Quecksilberchlorid, so bekommtman ganz dasselbe Resultat. Man bekommt dasselbe Resultat, ob man dasQuecksilberchlorid ursprünglich auflöst in der ätherischen oder ursprüng-lich auflöst in der wässerigen Flüssigkeit. Wenn also die vollständigechemische Ausgleichung nicht erreicht werden kann, so wird doch dasGleichgewicht der Concentrationszustände erzielt. Beide Flüssigkeiten sindgleich concentrirt, denn sie enthalten gleiche Bruchtheile vou den Mengen,welche sie bei derselben Temperatur aufzulösen im Stande sind. Das istvollkommen begreiflich, denn, wenn ein Molekül auf der Grenze zwischenden beiden Flüssigkeiten steht, so wird es immer dahin gehen, avo esden grössten anziehenden Kräften .unterworfen ist, und erst wenn dieanziehenden Kräfte, welche in beiden Flüssigkeiten auf die Moleküle desgelösten Körpers einwirken, gleich geworden sind, erst dann wird derDiffusionsprocess sein Ende erreicht haben.