Die Magenverdauung
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künstliche Verdauungssäft. Worin man die Labdrüsenschicht irgend einesTlrieres, gleichviel, ob nüchtern oder in der Verdauung, abpräparirt unddann mit Salzsäure, die 1 Gramm CIH auf 1 Liter Wasser enthält,macerirt, so erhält man eine solche Verdauungsflüssigkeit. Vergleichtman die Wirkung derselben mit der blos verdünnter Chlorwasserstoff-säure von demselben Säuregrade, so findet man, dass sie rohes Fibrinverhältnissmässig rasch, oft schon in 10 Minuten, auflöst, während dasselbeFibrin in der verdünnten Salzsäure nur aufquillt, aber sich nicht auflöst,bei kühler Temperatur Tage lang unaufgelöst bleibt, und erst dann langsamzerfällt. Wenn man Weisses von hartgekochten Eiern in beide Flüssig-keiten hineinlegt, so bleibt es in verdünnter Salzsäure ganz unverändert,während es sich in der künstlichen Verdauungsflüssigkeit, wenn auchviel langsamer als das rohe Fibrin, auflöst. Wenn man in beide Flüssig-keiten rohes Rindfleisch hineinlegt, so löst sich dieses allerdings in derblos verdünnten Chlorwasscrstoffsäure auch auf. Wir werden aber spätersehen, dass dies darauf beruht, dass im Muskel selbst Pepsin enthaltenist, oder doch ein Körper, der sich in Rücksicht auf alle Unterscheidungs-mittel, die wir bis jetzt kennen, gerade so verhält wie das Pepsin.
Das Pepsin lässt sich aus der Schleimhaut des ausgewaschenenMagens auch nach und nach mit Wasser extrahiren. Aber man bekommtauf diese Weise, wenn man auch die Flüssigkeit hinterher ansäuert,immer nur eine verhältnissmässig schwach wirkende Verdauungsflüssigkeit,während man viel stärker wirkende Verdauungsflüssigkeiten bekommt,wenn man von vorne herein mit einer verdünnten Säure macerirt. Esgeht daraus hervor, dass das Pepsin in den Drüsen in einem für Wasserschwor löslichen Zustande enthalten sein muss, dass es sich aber in ver-dünnter Säure viel leichter auflöst. In neuerer Zeit wird nach v. Wittich'sVorgang Glycerin vielfach zur Extraction des Pepsins benutzt. Dass dasPepsin wirklich in den Drüsen der Schleimhaut im Vorrathe abgelagertist, in ähnlicher Weise, wie wir gesehen haben, dass feste Bestandtheiledes Speichels in den Speicheldrüsen im Vorrathe abgelagert sind, undbei der Secrction nur herausgewaschen wird, ergibt sich auch aus andernVersuchen. Wenn man die. ganze Magenschleimhaut künstlich verdaut,so dass sie zerfällt, und nur einige krümlicho Eeste übrig bleiben, wennman diese auf einem Filtrum sammelt und untersucht, so findet man,dass das Pindegewcbe, die Drüsenschläuche u. s. w. zerstört sind, dassman nur Zellen und Trümmer von Zellen, die aus den Drüsen derSchleimhaut herstammen, gemengt mit elastischen Fasern, unter demMikroskope hat. Wenn man nun-diesen Detritus von Neuem, mit ver-dünnter Salzsäure macerirt, so erhält man wiederum noch eine sehrwirksame Verdauungsflüssigkeit. Es wird hier in Wien für therapeutischeZwecke ein Pepsin in den Handel gebracht, welches dem Vernehmennach bereitet wird durch Auspressen der Schleimhaut und durch Trocknender ausgepressten Substanz bei niederer Temperatur. Aus diesem Pepsinkann man alles Lösliche herauswaschen, man kann es Tage lang auf demFiltrum mit Wasser auswaschen, und wenn man dann den Rest, der aufdem Filtrum zurückbleibt, noch wieder mit 1 pro mille Salzsäure mace-rirt, so bekommt man immer wieder noch eine kräftig wirkende Ver-dauungsflüssigkeit.
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