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1 (1875)
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Die Blutkörperchen.

man fortwährend wellenförmige Bewegungen an der inneren, der Intra-cellnlarflüssigkeit zugewendeten Oberfläche, so dass man anfangs geglaubthat, dass dieses Protoplasma zähflüssig sei, und an der inneren Wand derCellulosemembran entlang fiiosse. Das ist aber durchaus nicht der Fall,sondern das sind Bewegungen, welche darin bestellen, dass sich eine Con-tractionswelle nach der andern bildet, in einer bestimmten Richtung fort-schreitet, und dann wieder verstreicht. Im Zusammenhange mit dieserBewegung steht eine regelmässige Fortbewegung der Körnchen im Proto-plasma, welche mit dazu Veranlassung gegeben hat zu glauben, dassdas ganze Protoplasma fiiesse. Man kann sich aber leicht überzeugen,dass das Protoplasma nicht fliesst, dass nur die Körnchen in einem Systemvon Hohlräumen fliessen, welches in diesem Protoplasma vorhanden seinmuss. Wenn man clcctrische Schläge auf ein solches Brennhaar einwirkenlässt, so werden eine Menge von Fortsätzen gegen das Innere getrieben,und augenblicklich stockt die Körnchenbewegung. Wenn die Schläge nurschwach gewesen sind, so ziehen sich diese Fortsätze wieder zurück, unddas Ganze kommt wieder in seinen früheren Gang. Sind die Schläge aberzu stark gewesen, so bemerkt man, dass Körnchen in die innere Höhleaustreten, dass also bei diesem Ausstossen von Fortsätzen das Protoplasmazerrissen sein muss. Man bemerkt später, dass das Protoplasma nicht ganzwieder in seine frühere Lage zurückkehrt, dass die Körnchenbewegungaufhört, und wenn man kurze Zeit wartet, so trübt sich der Primordial-schlauch, und fängt an sich stellenweise von der Cellulosemembran abzu-lösen. Man hat den Leib dieser Pflanzenzcllc getödtet, und daher dieseErscheinungen der Trübung, der Ablösung. Wir werden später bei derthierischen Zelle ganz analoge Erscheinungen kennen lernen.

Die rothen Blutkörperchen sind nun auch als Zellen angesehen wor-den, und man unterschied demgemäss an den kernhaltigen Blutkörpercheneine Zellmembran, ojno feste Hülle, einen flüssigen Inhalt und einenZellkern. Wir wollen diese kernhaltigen Blutkörperchen zuerst betrachten,weil wir mehr von ihnen wissen, als von den kernlosen Blutkörperchender Säugethiere und des Menschen.

Zunächst fragt es sich, ob wirklich eine Zellmembran und einflüssiger Inhalt vorhanden sei. Das widerspricht Beobachtungen, welcheman an den Blutkörperchen gemacht hat, und täglich an ihnen machenkann. Man sieht Stücke von Blutkörperchen, die noch gefärbt sind, herum-schwimmen, was natürlich nicht möglich wäre, wenn das Blutkörperchenein Bläschen, ein Schlauch, und der Farbstoff, wie man annahm, in demflüssigen Inhalte enthalten wäre. Denn wenn das Blutkörperchen zer-trümmert ist, müsste dann der Farbstoff herausfliessen und sich mitder umgebenden Flüssigkeit mischen. Man sieht ferner, wenn man gewisseanscheinend indifferente Substanzen, wie Harnstoff zusetzt, die Blutkör-perchen in Tropfen zerfallen, ohne dass man dabei eine Membran zer-reissen sieht. Man sieht die Blutkörperchen sich durch enge Bäume drän-gen, wobei sie ihre Form in so hohem Grade verändern, sich so verlän-gern können, dass man nicht mehr weiss, welche Elasticität man derMembran zuschreiben sollte, die ihren Inhalt umgibt. Rollet hat sie inLeim eingeschlossen, den Leim gelatiniren lassen und nun unter demMikroskope gedrückt. Er hat dabei gefunden, dass die Blutkörperchenihre Form in ähnlicher Weise verändern, wie es eine halbflüssige Masse