346
Die Knochen.
allen übrigen. Anfangs hat man nur die Arbeiter gekannt, die die neuenHäuser aufbauen, und hat sie mit dem Namen der Osteoblasten bezeichnet.Wir haben sie in dem Vorhergehenden besprochen. Später hat Köllikerauch die Arbeiter beschrieben, die die Häuser einreissen. Es siud diesgrosse Zellen, die er mit dem Namen der Osteoklasten bezeichnet, unddie er überall da findet, wo Knochensubstanz zu Grunde geht, so dasser den Resorptionsprocess in wesentlichen Zusammenhang bringt mit derThätigkeit dieser Zellen.
Die übrigen Knochen hauen sich meistens auch in doppelter Weiseauf wie die Röhrenknochen, die dickeren Knochen, die Knochen derSchädelbasis, der Wirbelkörper u. s. w., in ähnlicher Weise wie dieEpiphyse der Röhrenknochen, so dass erst eine knorpelige Grundlage vor-handen ist, die verknöchert, und dass dann die Zwischenwände schwinden,welche die Zellen in der verknöcherten Substanz trennen, sich grössereHohlräume bilden, äusserlich Knorpel angelagert wird, der wiederum ver-knöchert, oder zwischen dem Knochen und dem Periost Zellen entstehen,die seeundären Knochen aufbauen. Es wird auch im Innern seeundärerKnochen gebildet, indem sich ein bindegewehiges Stroma mit Osteoblastenhineinzieht. Nur die platten Knochen des Hirnschädels haben niemalseine knorpelige Grundlage. Das Scheitelbein, die Schuppe des Hinterhaupt-beins, des Schläfenbeins und des Stirnbeins entstehen von vorneherein auseiner bindegewebigen Anlage, übrigens ganz ähnlich wie der seeundäreKnochen, indem sich Zellen bilden, die in ihrer ersten Anlage Binde-gewebskeimen ähnlich sehen, die sich aber nicht in Bindegewebe, sondernin Knochensubstanz, in seeundäre Knochen umwandeln.
Die Entwickelungsgeschichte des Knochens ist sehr lehrreich in Bück-sicht auf Histologie und Histogenesis überhaupt, indem man es hier sorecht augenfällig vor sich hat, dass nicht in allen Zeiten die Entwickelungder Dinge auf gleiche Weise vor sich geht, und dass es ganz verkehrt ist,wenn man die Anfänge der Gewebselemente, wie man sie beim Erwach-senen vorfindet, in den ersten Stufen des embryonalen Lehens sucht. Dasist der Irrweg, den man auch beim Knochen gegangen ist, und daherhielt mau so fest an der Idee, dass der ganze Knochen aus Knorpel ent-stehe. Man muss die Entwickelung bestimmter Gewebe immer nur unter-suchen wollen, wenn bereits ein Theil dieses selben Gewebes fertig oderdoch in seiner wesentlichen Gestalt ausgeprägt ist: denn zu dieser Zeiterst findet man die Generationen, die sich unmittelbar in das in Fragestehende Gewebe umwandeln, findet man die Keime, aus denen unmittel-bar ähnliche Gewebstheile hervorgehen. In den früheren Stadien findetman allerdings an derselben Stelle auch Keime, aus denen aber möglicherWeise niemals das wird, was wir hier später antreffen, sondern derenentwickelte Gestalten durch spätere, anders ausseheude Generationen ver-drängt und ersetzt werden; oder es ändert sich später der Modus derEntwickelung, und es treten neue Generationen auf, neben denen die altenzwar fortexistireu, aber denen gegenüber sie so sehr in der Minderzahlsind, dass sie jetzt nicht mehr die wesentliche, nicht die Hauptmasse desGewebes ausmachen.
Nicht allein bei den Knochen, sondern auch beim Bindegewehe undbei den Muskelfasern hat man diesen Wechsel zu wenig berücksichtigt.