340
Das Ilindegewefoe.
Bas Bindegewebe.
lieber die Entwickelung des gemeinen Bindegewebes und des fibrösenGewebes ist ein langer Streit geführt worden, indem die Einen die Binde-gewebsfasern aus Zellen hervorgehen lassen, die Andern aber nur dieBindegewebskörperchen von Zellen ableiten, die Fasern dagegen auseiner Zwischensubstanz, welche sich seeundär zwischen diesen Zellenbilden soll. Ich kann dieser letzteren Ansicht nicht beitreten. Ich binder Ansicht, dass sich die Bindegewebsfasern sämmtlich aus Zellen ent-wickelt haben, von den Zellen gebildet, gesponnen worden sind. Wennman die frühesten Stadien des Bindegewebes untersucht, so findet man,dass die ursprünglich nackten embryonalen Zellen amöbenartig Fortsätzetreiben, Fortsätze ausstrecken, dass diese Fortsätze aber nicht mehr zurück-gezogen werden, sondern dass sie eine eigenthümliche Metamorphoseerleiden und in immer feinere Fäden auswachsen, so dass vielfach ver-zweigte, in sehr fein verzweigte Endfäden nach verschiedenen Seitenauslaufende Fasern entstehen. Aus solchen Zellen besteht in der frühestenZeit das ganze embryonale Bindegewebe. In späterer Zeit aber findetman sie nur vereinzelt; nur ausnahmsweise, z. B. im Slroma der Cho-rioida, setzen sie noch ganze Gewebe zusammen.
Zwischen diesen Bindegewebszellen soll sich nun eine Zwischensub-stanz bilden, aus der sollen die Bindegewebsfasern hervorgehen, währendaus den Zellen nur die Bindegewebskörperchen entstehen sollen. DieseZwischensubstanz ist aber eine wässerige Flüssigkeit, die später resorbirtwird, und von der nichts übrig bleibt als vielleicht die KittsubstanzBollet's, durch welche die einzelnen Bindegewebsfasern mit einanderverbunden sind. Das Bindegewebe hat zu dieser Zeit eine gallertartigeConsistenz nach Art der "Wharton'schen Sülze des Nabelstrauges und esgehört in diesem Stadium dem Virchow'schen Schleimgewebe an. Es istgesagt worden, dass das Virchow'sche Schloimgewebe nur da angetroffenwerde, wo sich später der Panniculus adiposus bildet. Da wird esnoch in einem späteren Stadium angetroffen in einem früheren Stadiumwird es aber als Anlage von allem gemeinen Bindegewebe angetroffen.Ueberall da, wo sich später das gemeine faserige Bindegewebe bildet,findet sich vor demselben eine Substanz, die aus verzweigten Zellen undeiner Quantität von Flüssigkeit besteht, die zwischen ihnen ist, wennsie auch nicht überall den Grad von Succulenz, wie die Wharton'scheSülze, erreicht. In einem älteren Stadium wird sie immer ärmer anFlüssigkeit, und dabei strecken die nun sich neu bildenden Zellen ihreFortsätze nicht mehr nach allen Seiten, sondern wesentlich nach zweiRichtungen aus, wobei gewöhnlich die Fortsätze der einen Seite viellänger werden als die der andern. Hiedurch entstehen eben die laugenFasern, die wir später als Bindegewebsfasern kennen. Strittig sind dabeinachfolgende Puukte: Ei-stens, ob immer aus einer solchen Zelle nacheiner Seite hin mehrere Fasern auswachsen, oder ob auch eine Zelle soauswachsen kann, dass sie nur eine einzige Bindegewebsfaser bildet;zweitens, ob diese mehrfachen Fasern dadurch entstehen, dass ein Fort-satz sich verzweigt und nun in seiuen einzelnen Aesten weiter wächst,oder umgekehrt ein Fortsatz sich auffasert, sich spaltet und dadurcheine ßeihe von Bindenewebsfibrillen neben einander entsteht.