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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Fortpflanzung durch Keiinkörper und durch Eier.

der Weise differenzirt, dass man darin die Anlage des neuen Individuumserkennt, dass dieses neue Individuum sich bis zu einem gewissen Gradevon Vollkommenheit an dem mütterlichen Stamme entwickelt, währendes sich allerdings später von demselben ablösen kann. Der Name unddas Paradigma der Knospenbildung' is<, wie Sie leicht einsehen, von denPflanzen hergenommen, wo Sie den Process der Knospung täglich undstündlich vor sich gehen sehen. In der That sind es auch die Thiere,welche man früher als Pflanzenthiere bezeichnete, an welchen dieKnospung zuerst beobachtet wurde. Es bildet sich bei ihnen ein Stamm,an dem wie an einer Pflanze neue Knospen und neue Aeste sich ent-wickeln. Aber wesentlich derselbe Process kommt auch bei anderenThieren vor. So fand Milne Edwards an der sicilianischen Küste einenWurm, Myrianida fasciata, der an seinem hinteren Ende durch Knospungein neues Individuum erzeugte, dann zwischen seinem Hinterende unddem Vorderendc des Jungen ein zweites und so fort, bis eine Kette vonsechs Individuen entstand. Dabei hatten die Jungen Geschlechtsorgane,während dieselben dem Mutterthiere fehlten. Einen ähnlichen Processder Knospung stellt die Gliederbildung bei den Bandwürmern dar, nurdass hier keine vollständigen Thiere, sondern unselbstständige, der ge-schlechtlichen Portpflanzung dienende Partialorganismen erzeugt werden.

Fortpflanzung- durch Keimkörner und durch Eier.

Die dritte Art der Fortpflanzung und Vermehrung ist die durchKeimkörper und durch Eier. Man hat diese früher so von einander unter-schieden, dass man gesagt hat, Keimkörper sind solche Körper, aus denensich in ähnlicher Weise wie aus Eiern junge Individuen entwickeln können,aber ohne dass sie erst befruchtet werden. Die Eier unterscheiden sichdadurch von den Keimkörpern, dass sie die geschlechtliche Fortpflanzungrepräsentiren, dass es nothwendig ist, dass das Ei vor seiner Entwickelungerst befruchtet wird. Dieser Unterschied hat sich aber in neuerer Zeitnicht mehr als haltbar erwiesen. Denn es hat sich erstens gezeigt, dassdie ersten Anfänge der Entwickelung bei allen Eiern statthaben, gleichviel,ob sie befruchtet sind oder nicht, dass sie sich also in Rücksicht auf ihreEntwicklungsfähigkeit von den Keimkörpern nur dadurch unterscheiden,dass sie nach den allerersten Anfängen der Entwickelung stehen bleiben.Aber noch mehr: die Eier gewisser Thiere entwickeln sich, wenn sieauch nicht befruchtet worden sind, vollständig. Es findet dies statt beider sogenannten Parthenogenesis.

Dieselbe wurde zuerst durch Beobachtungen an Bienen sichergestellt.Es ist bekannt, dass die Bienenkönigin den Stock fortpflanzt, dass es aberausserdem in dem Stocke eine grosse Menge von verkümmerten Weibchengibt, welche den Namen der Arbeitsbienen führen. Diese sind in ihrenersten Anfängen, als junge Maden nicht verschieden von der Königin, siewerden nur durch die Art der Aufzucht verschieden gemacht. Es zeigtsich, dass, wenn die jungen Königinnen in einem verhältnissmässig frühenStadium zu Grunde gehen, die Arbeitsbienen, damit der Stock seinesOberhauptes nicht beraubt wird, Arbeitermaden in die Königinnenzellenhineinschleppen und anfangen, sie mit einem besseren und reichlicheren