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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Vermehrung durch Knospcnbiltlung.

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Denken Sie sich z. B., dass die Glocke einer Vorticelle sich zuerstam Kunde einbiegt, dass die Einbiegung immer tiefer wird, so dass ausder becherförmigen Glocke zuletzt zwei Glocken entstehen, dass sich diesevollständig von einander trennen, dass jeder der beiden ein eigenes Stiel-stück nachwächst, so haben Sie nun zwei Vorticellen, zwei Individuenstatt des früheren einfachen Individuums. Auch bei anderen Infusorienkommt in ähnlicher Weise Vermehrung durch Theilung vor. Es muss aberbemerkt werden, dass sie hier nicht ganz so häutig ist, wie man frühergeglaubt hat. Man hat früher eine Verwechslung begangen, man hatimmer, wenn man zwei Infusorien in unmittelbarer Verbindung mit ein-ander sah, dies für ein Thier gehalten, das in Theilung begriffen ist.Balbiani hat aber später gezeigt, dass diese Doppelthiere keineswegsimmer so zu deuten sind, sondern dass bei den Infusorien auch geschlecht-liche Zeugung vorkommt, dass einige derselben sich begatten, und dasssie sich dann so unmittelbar an einander legen, dass man ein Thier inTheilung vor sich zu haben glaubt.

Die Fortpflanzung durch Theilung ist nicht auf freilebende Orga-nismen beschränkt: sie kommt auch im ausgedehntesten Maasse in denElemcntarorganismen vor, welche unseren Körper zusammensetzen, in denZellen. Sie ist hier angenommen worden, so lange überhaupt die Zellen-theorie existirt, aber direct beobachtet ist sie erst später von S. Stricker.Die früheren Angaben über Theilung der Zellen beziehen sich darauf,dass man eine Keihe von Bildern neben einander gehabt, bei welchen manverschiedene Grade der Einschnürung gesehen hatte, und deshalb auchmit einem gewissen Rechte auf eine Theilung der Zellen schloss. Es istaber noch ein Unterschied, ob man einen solchen Schluss aus einer Reihevon Bildern macht, oder ob man vor seinen Augen solche Theilungen vorsich gehen sieht. Das ist eben erst später geschehen. Es zeigte sich,dass, während das Protoplasma einer Zelle gewöhnlich eine Hauptmasse ist,von der die Fortsätze ausgehen, dasselbe sich zunächst so anordnet, dasses zwei Hauptmassen bildet, die aber noch durch eine Brücke mit ein-ander in Verbindung stehen. Diese Brücke wird nach und nach immerdünner und länger, manchmal kann sie sich dazwischen wieder verdicken,die Protoplasmamassen können temporär wieder zusammenfliessen, danngehen sie wieder auseinander, endlieh kommt ein Moment, wo dieseProtoplasmabrücke reisst und aus einem Individuum, aus einer Zelle zweigeworden sind. Die Theilung des Zellkernes geht der des Protoplasmaskürzere oder längere Zeit voran, und sie wird in vielen Fällen eingeleitetdurch eigenthümliche Veränderungen des Kernes. Es entstehen in dem-selben sieh metamorphosirendo, zum Thcil sehr zierliche Figuren von an-seheinenden Fasern, Fäden oder Röhrchen, die sich schliesslich in zweiGruppen anordnen, welche anfangs noch zusammenhängen, sich aber end-lich vollständig von einander trennen. Man nennt diesen A r organg Karyo-kinesis.

Vermehrung' durch Knospenhildung-.

Die andere Art der Fortpflanzung ist die durch Knospenbildung.Das Wesentliche der Knospenbildung ist, dass irgendwo an dem mütter-lichen Organismus ein Gebilde, eine Hervorragung entsteht, die sich in

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