Tastsinn und Gemeingefühl.
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im Innern des Körpers anhäuft. Ein Fieberkranker, der im heissenSommer vom Froste geschüttelt wird, fühlt sich an seiner ganzen Körper-oberfläche kalt. Es ist sein Blut aus den Capi Haren der Haut zurück-gewichen und hat sich im Innern des Körpers, namentlich in Leber undJlilz angehäuft. Ein Individuum, das eben aus einem kalten Bade von9° bis 10° kommt, kann, wenn es sieh nur kurze Zeit darin aufgehaltenbat, so dass gleich eine sehr starke Beaction eintritt, sich auf seinerHautoberfiächo vollkommen warm fühlen, obwohl diese eben erkältet wordenist. Sicht man aber seine Haut an, so findet man, dass sie geröthet istvon reichlich zuflicssendem Blute, und damit hängt es zusammen, dassdas betreffende Individuum sich warm fühlt. Ich kann mir demnach vor-stellen: Wenn ich einen warmen Körper anfühle, so erwächst mir dasGefühl der Wärme, weil jetzt das Blut an der betreffenden Stelle in dieCapillaren der Haut einströmt, und umgekehrt, wenn ich einen kaltenKörper anfühle, so erwächst mir das Gefühl der Kälte, weil das Blut ausden Capillaren, zurückweicht. Es bleibt mir dabei unbenommen, mir vor-zustellen, dass die Nerven auch durch die Temperaturveränderung direefverändert werden und somit auch das Gefühl, mit welchem sie im Central-organe empfunden werden.
Es sind indessen doch ernstliche Schwierigkeiten vorhanden. Erstensist das Unterscheidungsvermögcn für Warm und Kalt keineswegs überallda am besten, wo die Tastempfindungen am besten sind. Es wird z. B.in manchen Gegenden empfohlen, beim Zurichten von Bädern nicht dieHand, sondern den Ellenbogen hineinzustecken, weil die Erfahrung gelehrthat, dass man eine zu grosse Wärme des Bades mit dem Ellenbogensicherer empfindet als mit der Hand, obgleich dort das Unterscheidungs-vermögen für Tasteindrücke und die Summe der Nervenfasern eine vielgeringere ist als an der Hand: und doch ist das Wärmegefühl keineswegsunabhängig von der Summe der Nervenfasern, welche zugleich afficirt•«'erden; denn wenn ich einen Finger ins Wasser hineinstecke, so schätzeich die Temperatur weniger sicher, als wenn ich die ganze Hand hin-einstecke, und da wieder weniger sicher, als wenn ich den ganzen Armeintauche.
Es existiren ferner ähnliche Beobachtungen, wie sie über den Schmerzgemacht wurden, auch über die Temperaturempfindung. Es existiren An-gaben, dass an Kranken die Temperaturempfindung verloren gegangen sei,dass dagegen die gewöhnliche Tastempfindung noch erhalten war; anderer-seits gelang es Fabini, durch künstlich hervorgebrachten localen Blut-mangel das Tastgefühl viel rascher herabzudrücken als das Temperatur-gefühl, und hier kommt man nicht ohne Weiteres mit der Erklärungaus, mit der wir uns beim Schmerze geholfen haben, mit der Erklärung,dass die Eindrücke zwar zum Centralorgan fortgeleitet, aber dort nicht zurhinreichenden Höhe angesammelt worden wären, oder dass sie nicht starkgenug waren, um zu der einen oder der andern Art von Centren fort-gepflanzt zu werden.
Man kann endlich bisweilen die Beobachtung machen, dass durchTemperaturreize und durch mechanische Beize verschiedene Beflexe aus-gelöst werden. Ich habe vor einer Beihc von Jahren einen interessantenFall dieser Art gesehen. Dr. Tschatschkin aus Odessa war hier imLaboratorium mit Versuchen über Wärmeregulirnng beschäftigt. Er durch-