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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Gehör.

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wissen, ob bei demselben der Gehörnerv noch funetionirt und das Hinder-niss für das Hören nur im schallleitenden Apparate liegt, oder ob wirk-lich der N. aeusticus nicht fähig ist, erregt zu werden. Zu diesemZwecke schlägt er eine Stimmgabel an und setzt sie dem Kranken aufdas Scheitelbein. Eunctionirt der N. aeusticus noch, und liegt das Hin-derniss nur im schallleitenden Apparate, so hört der Kranke die Stimm-gabel. Auf diese Weise können uns sogar Klänge mit ausserordentlicherIntensität zugeführt werden. Ein bekanntes Spielwerk besteht darin, dassman einen silbernen Löffel oder einen eisernen Ladstock in einen Bind-faden einknüpft, die Enden des Bindfadens in die Ohren steckt und nunden Löffel oder den Ladstock gegen eine Wand anschlägt. Dann werdendurch den Bindfaden die Schwingungen dem Ohre so mitgetheilt, dassman das stärkste Glockcnläuten zu hören glaubt.

Die meisten Erregungen aber, diejenigen, welche uns hier zunächstbeschäftigen, kommen dem N. aeusticus von Schallwellen zu, die in derLuft fortgepflanzt werden. Wir müssen uns, ehe wir zur Lehre vom Hörenübergehen, mit diesen Schallwellen und mit den Gesetzen, nach denen sieerregt und fortgepflanzt werden, einen Augenblick beschäftigen.

Wenn irgendwo die Luft durch einen plötzlichen Impuls, z. B.durch die Detonation einer Zündkapsel oder eines Kanonenschlages, er-schüttert wird, so entsteht dadurch ein Schall. Es wird die Luft nachallen Seiten hingestossen, und es entsteht dadurch um die Schallquelleeine Kugelschale von verdichteter Luft. Die Bewegung pflanzt sich nachden Gesetzen des elastischen Stossos fort. Auf die Schichte verdichteterLuft folgt dann eine Schichte verdünnter Luft, und so schreiten eineVcrdichtungswelle und eine Verdünnungswelle hinter einander nach allenSeiten mit gleicher Geschwindigkeit fort, und zwar bei der Temperaturvon 0° mit einer Geschwindigkeit von 333 Metern in der Secunde.

Hieraus ergibt sich schon das Gesetz für den Schall, dass seineIntensität abnimmt mit dem wachsenden Quadrate der Entfernung. Daserklärt sich einfach folgendermassen. Durch die Schallquelle wird einegewisse Summe lebendiger Kraft erzeugt: diese wird an die Luftschichtübertragen, welche die Schallquelle zunächst umgibt, hierauf an die nächsteu. s. f., und da der Schall sich nach allen Richtungen mit gleicher Ge-schwindigkeit fortpflanzt, bilden die Schallwellen immer Kugelschalen.Nun hängt aber die Intensität des Schalles von den lebendigen Kräftenab, welche in den einzelnen Molekülen thätig sind, und da die Summender in Bewegung gesetzten Moleküle wie die Oberflächen der Kugelschalcn,also wie die Quadrate der Radien, wachsen, so müssen die lebendigenKräfte der einzelnen Moleküle in gleichem Masse abnehmen und mit ihnendie Intensität des Schalles.

Ich habe gesagt, dass die Moleküle nach allen Seiten hin gestossenwerden, und dass dadurch die Schallwelle entsteht. Ich habe also ange-nommen, dass die Moleküle bei ihrer Schwingung sich in der Richtungbewegen, in welcher sich die Schallwellen fortpflanzen, nicht, wie bei demLichte, in einer Ebene senkrecht auf die Eortpflanzungsrichtung. Es sindalso hiernach die Schallwellen Longitudinalwellen, und wenn wir sie gra-phisch darstellen, indem wir die Verdichtungswelle als einen Wellenbergund die Verdünnungswelle als. ein Wellenthal darstellen, so tragen wir inden Ordinaten nicht die Verschiebung der Moleküle in ihrer wirklichen