Vergrösscrungsmittcl.
209
verdirbt das Bild immer mehr. Wir ziehen es für solche Fälle vor, zweiSammellinsen mit einander zu combiniren, und nennen ein solches Instru-ment eine Doppellupe, ein Doublet. Wir können auch drei Rammellinsenin solchen Krümmungen und solcher Keihenfolge miteinander verbinden,dass die sphärische Aberration auf ein Minimum reducirt wird, dass einesogenannte aplanatische Combination entsteht. Da wir jetzt stärkere Ver-grösscrungen erzielen und das Instrument nicht mehr gut aus freier Handhandhaben können, bringen wir es in ein Stativ, so dass es durch einenTrieb nach aufwärts und abwärts bewegt werden kann; wir verbinden esferner mit einem Tische und einem Belcuchtungsspicgcl und nennen dasGanze ein einfaches Mikroskop. Ein einfaches Mikroskop unterscheide!!sich im Wesentlichen von einer Lupe nur durch die kürzere Brennweiteund durch die Art der Montirung, dadurch, dass es mit einem eigenenArbeitstischchen und einem Beleuchtungsspiegel versehen ist.
Das zusammengesetzte Mikroskop und das Keppler'sehe oderastronomische Fernrohr.Anders verhält es sich mit dem zusammengesetzten Mikroskope,dessen wir uns bei unseren Arbeiten so vielfältig bedienen. Bei diesemwird erst durch das Objectiv ein umgekehrtes Luftbild entworfen, unddieses sehen wir mit der Ocularlinse an. Im Principe ist also das zu-sammengesetzte Mikroskop ebenso gebaut wie ein astronomisches oderKcppler'sches Fernrohr. Beim astronomischen Fernrohre in einfachster Formhat man eine Objectivlinse, die ein umgekehrtes Bild liefert, und eineOcularlinse, durch welche man dieses Bild vergrössert und ansieht. Daich aber mit dem Mikroskope sehr nahe Gegenstände betrachte, von denenich ein umgekehrtes Luftbild haben will, das grösser ist als das Objectselbst, muss ich mit meinem Objecte sehr nahe an das Objectiv heran-rücken, und dieses muss eine sehr kurze Brennweite haben. Ich reichedeshalb mit einer Objectivlinse nicht aus, ich muss eine Beihe von Objectiv-linsen hintereinander aufstellen, und so entsteht dann das gewöhnliche,aus drei Linsen bestehende Objectiv des Mikroskops. Ich sage, das Ob-jectiv besteht gewöhnlich aus drei Linsen. Dies ist aber eigentlich nichtrichtig. Ich hätte sagen sollen aus vier Linsen: denn es ist eine Linse,die zum Objectiv gehört, weil sie zwischen Objectiv und umgekehrtemLuftbild liegt, vom Objectiv weggenommen und mit dem Ocular vereinigtworden. Es ist nämlich zweckmässiger, durch die Objectivlinsen desMikroskops die Strahlen noch nicht zur Vereinigung kommen zu lassen,sondern sie nur im Bohre des Mikroskops hinaufzuleiten und noch einevierte Sammellinse im Oculare, das heisst durch die Messingfassung mitder eigentlichen Ocularlinse verbunden, anzubringen, die man mit demNamen des Collectivs bezeichnet, und die erst die Vereinigung der Strahlenzu einem umgekehrten Luftbilde zu Stande bringt. Dieses umgekehrteBild, welches grösser ist als das Object, weil es weiter vom hinterenKnotenpunkte entfernt ist als das Object vom vorderen Knotenpunkte,wird noch einmal durch eine Lupe, durch die eigentliche Ocularlinsevergrössert und so angesehen. Das zusammengesetzte Mikroskop ist alsoein astronomisches Fernrohr von sehr kurzer Brennweite, und das astro-nomische Fernrohr ist ein Mikroskop, dessen Objectiv eine sehr grosseBrennweite hat.
W
: 1
Brücke. Vorlesungen. II. 3. Aufl.
14