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Rcfiactionsanomalien.
geschieht es nicht selten, dass solche Individuen keine Zerstreuungsbrillemehr finden, mit der sie überhaupt noch etwas lesen können, wenigstenskeine, mit der sie noch feineren Druck zu lesen im Stande wären. Sol-chen Augen kann man für einige Zeit noch durch Brillengläser helfen,welche ihr Auge für einen brauchbaren Abstand einstellen und dabei einetwas vergrössertes Bild geben. Diese Brillen, die jetzt in ziemlieh aus-gedehntem Gebrauche sind, scheinen zuerst hier in Wien von dem ver-storbenen Optiker Prokcsch, vielleicht schon von dessen Vorgänger, ver-fertigt worden zu sein. Denken Sie sich, ich könnte an mein Auge vornoein Stück ansetzen, ich könnte es unter Beibehaltung der vorderen con-vexen Fläche nach vorn zu vergrössern, so möchte es mir dadurch gelingen,den hinteren Knotenpunkt weiter nach vorn zu rücken, und ich würdedadurch ein entsprechend grösseres Netzhautbild erhalten. Nun kann ickzwar dem Auge nicht direet ein Stück ansetzen, aber ich kann ihm eineLinse vorlegen, die in ähnlicher Weise wirkt, als ob ich nach vorn zuein Stück an das Auge angesetzt hätte. Denken Sie sieh eine Linse,welche nach vorn convex ist, und welche die aus einer endlichen Ent-fernung, z. B. aus einer Entfernung von 10 Zoll, kommenden Strahlenaufnimmt, so werden diese durch die vordere convexe.Oberfläche der Axezu gebrochen werden. Die hintere Oberfläche sei concav, sie wird alsodie austretenden Strahlen wieder stärker divergirend machen. Sie sei nunso abgepasst, dass diese austretenden Strahlen so divergiren, als ob sie voneinem nur 4 Zoll entfernten Punkte ausgegangen wären. Sie werden dannauf der Netzhaut eines in so hohem Grade Kurzsichtigen, dass sein Fcrn-punkt bei 4 Zoll liegt, noch zur Vereinigung kommen. Das Bild aber ist,wenn das Glas hinreichend dick ist, nicht wie bei einem gewöhnlichenZerstreuungsglase verkleinert, sondern vergrössert. Es beruht dies, wieich schon angedeutet habe, darauf, dass vor das Auge gelegte Linsen mitdiesem zusammen ein optisches System mit neuen Cardinalpunkten bilden,deren Lage für die verschiedenen Fälle von Mauthncr, Knapp undDonders erörtert worden ist. Der einfachste Fall ist der, wo die Linsein der vorderen Brennpunktsebene des unbewaffneten Auges liegt und sodünn ist, dass der örtliche Unterschied ihrer brechenden Flächen vernach-lässigt werden kann. Dann behalten die vorderen Cardinalpunkte desAuges, das heisst der vordere Brennpunkt, der vordere Hauptpunkt undder vordere Knotenpunkt ihren Ort, die hinteren Cardinalpunkte, dasheisst der hintere Hauptpunkt, der hintere Knotenpunkt und der hintereBrennpunkt, werden sämmtlich um eine gleiche Grösse verschoben, durchSammellinsen nach vorn, durch Zerstreuungslinsen nach hinten. Es bleibtalso hier, wenn auch das Netzhautbild wegen des veränderten Abstände«des hinteren Knotenpunktes von der Netzhaut grösser oder kleiner er-scheint, doch die Grösse des Nctzhautbildcs, so weit man es als ein aufder jeweiligen hinteren Brennpunktsebene entworfenes Bild ansieht, unge-ändert. Anders, wenn obige Bedingungen nicht erfüllt sind: es kanndann je nach der Natur und Anordnung der brechenden Flächen ver-grössert oder verkleinert werden, vergrössert und verkleinert, je nachdemsich die Entfernung vom hinteren Knotenpunkte zum hinteren Brenn-punkte verändert. Unser dickes Brillenglas, vorne convex und hintenconcav, ist seinem Wesen nach, wie wir später sehen werden, ein Gahläi-sches Fernrohr mit schwacher Vergrösscrung. Brillen mit solchen Gläsern