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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Kcfractionsanomalien.

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So lange aber die Kurzsichtigkeit nicht einen sehr hohen Grad er-reicht, ist es gar nicht'thig eine Zerstreuungslinse zu geben, man kannviel einfacher helfen. Ich gebe cino Zerstreuungslinse, damit der Patientdas Buch weiter vom Auge entfernt halten könne. Sie hat für ihn denNachtheil, dass die Lichtintensität, wie dies bei jeder Brille der Fall ist,wegen der Beflexioncn, an den beiden Flächen der Gläser geschwächtwird. Ausserdem hat er kleinere Netzhautbilder, als er sie haben würde,wenn er nicht durch Zerstreuungsgläser sähe. Diesen letzteren Nachtheilvermeide ich, wenn ich statt der Zerstreuungslinsen plane Prismen vor dasAuge lege. Ich gebe Brillen, in welche statt der Linsen Prismen einge-legt sind, mit der dicken Seite gegen die Nase, mit der dünnen gegendie Schläfe gewendet. Diese bringen die Strahlen so zu beiden Augen,als ob sie von einem entfernteren Punkte kämen. Nun kann der Pa-üent das Buch so nahe bringen, wie er es zum Sehen mit seinen kurz-sichtigen Augen'thig hat. Er braucht jetzt nicht mehr die Gesichts-linicn so stark eonvergiren zu lassen und hat dabei die grossen Netzhaut-bilder seines kurzsichtigen Auges. Ich habe diesen Versuch an einemjungen Manne gemacht, der behauptete, binoculär nicht ohne Brille lesenzu können. Er fand, dass er durch eine solche Brille besser und mitweniger Anstrengung las, als durch eine Zorstrcuungsbrille. Er konntespäter die Brille weglegen und auch mit blossen Augen binoculär lesen.Ich halte es aber für besser, die Brille beizubehalten. Denn wenn esspäter dahin kommt, dass der Patient auch ohne Brillen binoculär lesenkann, so muss er doch eine stärkere Anstrengung der Interni und wegender Mitbewegung, die zwischen Kectus internus und Tensor chorioideaebesteht, eine Accommodationsanstrengung machen, die vermieden wird,wenn er sich dauernd dieser Prismen bedient.

Man kann sieh indessen bei höheren Graden von Kurzsichtigkeitgezwungen sehen, Zerstrcuungsgläser auch für die Nähe zu geben, weiles namentlich beim Schreiben lästig ist, das Auge dem Papier sehr nahebringen zu müssen. Dann ist es von Wichtigkeit, dass diese so gestelltsind, dass die Gesichtslinie in keinem Falle nach aussen von der Axe derLinse fällt, sondern dass sie etwas nach innen von der Axe zu liegenkommt. Würde die Gesichtslinie nach aussen von der Axe der Linsedurchgehen, so würde die Zerstreuungslinse vor dem Auge prismatischwirken in einem solchen Sinne, dass nun eine grössere Convergcnz derGcsichtslinien nothwendig wäre als bei genau eentrirter Linse. Wenndagegen die Gesichtslinie nach innen von der Axe der Linse, nach derNasenseite zu, fällt, so wirkt die Linse zugleich als ein Prisma, dessendicke Seite der Nascnscite, und dessen dünne Seite der Schläfenseitc zu-gewendet ist. Sie verlangt also von dem Betreffenden eine geringereConvergenz der Gesichtslinicn, als wenn wirklich die beiden Linsen mitden Augen richtig centrirt worden wären. Dies ist deshalb von Wichtig-keit, weil ja mit der grösseren Convergcnz auch immer eine unwillkür-liche Accommodationsanstrengung für die Nähe verbunden ist, die derCorrection entgegenwirkt, welche wir durch die Brille anstreben, undausserdem im Laufe der Zeit die Myopie steigert.

In späteren Jahren, wo gerade bei den hohen Graden der Kurz-sichtigkeit oft zugleich auch Schwachsichtigkeit, mangelhaftes Unter-scheidungsvermögen wegen beginnender Atrophie der Netzhaut eintritt,