UnterscheHlungsvermögen der Netzhaut.
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die Bilder der kleinen Gegenstände von einem Zapfen auf den andernübergehen lassen, verschaffen wir uns deutlichere Vorstellungen, als sieuns ein einmaliger Eindruck verschaffen könnte.
Dass dem wirklich so sei, davon überzeugt man sich leicht, wennman den Lichteindruck so kurz macht, dass es unmöglich ist, währenddieser kurzen Zeit eine merkliche Augenbewegung auszuführen. Wennwir einen rotirenden Farbenkrcisel mit dem Lichte des elektrischen Fun-kens beleuchten, so sehen wir die Farben nicht gemischt, sondern wirsehen die einzelnen, verschieden gefärbten Sectorcn neben einander stehen.Der elektrische Funke dauert nur so kurze Zeit, dass der Kreisel währenddieser Zeit nur einen sehr kleinen Bruchtheil seiner Umdrehung ausführenkann, dass er sich während dieser Zeit bei Weitem nicht um die Breiteeines Sectors gedreht hat, denn sonst müssten die Farben gemischt sein.Nun kann ich diese Beleuchtung durch den elektrischen Funken starkgenug machen, dass ich die Gegenstände völlig hell sehe; es wird miraber niemals gelingen, die Gegenstände so deutlich zu sehen, wie ichsie beim ruhigen Ansehen und dauernder Beleuchtung sehe, selbst wenndiese Beleuchtung verhältnissmässig schwach ist. Wenn des Nachts einstarker Blitz die Landschaft erhellt, so sieht man alle Gegenstände hellbeleuchtet, aber nicht einmal in der Deutlichkeit, in der man sie in derDämmerung sieht, weil eben der Eindruck ein so kurzer ist, dass es nichtmöglich ist, sich in den Gesichtsobjecten sicher zu orientiren.
Diese Schärfe des Unterscheidungsvermögens, von der wir eben ge-sprochen haben, existirt aber nur in der Fovea centralis retinae. Je mehrman sich von dieser entfernt, je mehr man in das sogenannte indirecteSehen kommt, um so schwächer wird das Unterscheidungsvermögen. Mankann sich davon überzeugen, indem man einen Gegenstand fest ansiehtund das eine Auge schliesst und dann einen zweiten Gegenstand un-mittelbar neben denselben bringt. Man wird dann, wenn man das Augefür diese Sehweite einstellt, ihn vollkommen scharf sehen können. Bleibtman aber in der Fixation für den andern Gegenstand und bewegt diesenGegenstand seitlich fort, so wird man bemerken, dass das Bild immerundeutlicher wird. Gegen die Ora serrata hin ist das Unterscheidungs-vermögen ein so stumpfes, dass wir die Gegenstände, die sich dort ab-bilden, die also nahe der Grenze unseres Sehfeldes liegen, nicht mehrin ihrer Form erkennen, dass wir nur noch einen unbestimmten Ein-druck davon haben, dass sich daselbst hellere und dunklere und farbigeGegenstände befinden.
Es muss ferner bemerkt werden, dass dieses Unterscheidungsvermögennur existirt für Hell und Dunkel, für Schwarz und Weiss; für verschiedeneFarben von gleicher Helligkeit ist es viel geringer. Es erklärt sich diesnach der Young-Helmholtz'schen Theorie daraus, dass die drei Grundfarbensich in die Gesammtzahl der Zapfen theilen müssen, also auf jede etwanur ein Dritttheil derselben kommen mag. In diesem Falle würde sichnach der Theorie das Unterscheidungsvermögen für gleich helle Farben zudem für Schwarz und Weiss verhalten wie 1 zu \T~3; dem widersprichtauch die Erfahrung nicht, indem die Versuchsresultate bald nach der einen,bald nach der andern Seite von diesem Werthe abweichen. Also je ge-ringer der Helligkeitsunterschied zweier Farben ist, je mehr sie gleich hellsind, um so schlechter werden sie in kleinen Feldern von einander unter-