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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Mariotte's blinder Fleck.

schieden. Dies kann man als pliotometrisoh.es Princip benützen, um ver-schiedene farbige Lichter, Grün, Eoth, Blau, untereinander und mit neu-tralem Lichte in Rücksicht auf ihre Helligkeit zu vergleichen. Hierauf beruhtDove's Photometer. Unter ein Mikroskop wird bei schwacher Vergrösserun»eine Mikrophotographie auf Glas gelegt und gleichzeitig von unten undoben mit den beiden zu vergleichenden Lichtern so beleuchtet, dass mandas eine oder das andere gradatim abschwächen kann. Beide Lichter sindgleich, wenn die Einzelheiten der Photographie möglichst vollständig ver-schwinden. Auf demselben Principe beruht auch die Helligkeitstafel. Esist dies eine von Schwarz bis Weiss in Tusche abgetonte Fläche. Auf ihrverschiebt man das Papier oder den Stoff, dessen Helligkeit man ermittelnwill, nachdem man zuvor ein Loch hineingeschnitten. "Der Ort, an demdas Loch unter dem grössten Gesichtswinkel verschwindet, gibt die Hellig-keit der Farbe in Grau von bestimmter Helligkeit an.

Mariotte's blinder Fleck.

Es gibt einen Punkt der Netzhaut, mit dem wir gar nichts sehen,und das ist die Eintrittsstelle des N. opticus. Weshalb wir mit dieserEintrittsstelle nicht sehen, ist begreiflich. Wir sehen nämlich mit dieserStelle nicht, weil hier keine Zapfen- und Stäbehenschicht vorhanden ist,sondern das Licht, das hier auffällt, nur die austretenden Fasern desN. opticus trifft. Mariotte bemerkte zuerst, dass man diesen blinden Fleckim Sehfelde sieh subjeetiv bemerklich machen kann. Man macht zweiZeichen auf einem Papier, ein Kreuz und eine Kreisscheibe (siehe Figur 34);

Fig. 34.

man schliesst dann das eine Auge und fixirt dasjenige Zeichen, welchesnach der Nasenseite hin liegt, und nun nähert und entfernt man dasPapier. Dann kommt man auf eine Stellung, wo bei fester Fixation dasäussere Bild, das an der Schläfenseite, verschwindet. Nähert man das Bildwieder oder entfernt es, so kommt es wieder zum Vorschein. Dieser blindeFleck im Sehfelde heisst nach Mariotte der Mariotte'sche Fleck. Erliegt etwa 15° nach auswärts vom Centrum des Sehfeldes, das heisst vondem fixirten Punkte oder von der in sich selbst projicirten Gesiehtslinic.Auf der Netzhaut liegt er also etwa 15° nach innen vom Centrum retinae.Er erstreckt sich nämlich von 13° bis 19°, indem er einen Durchmesservon beiläufig 6° oder etwas darüber hat. Will man deshalb die beistehendeFigur zum Versuche benutzen, so bringt man das Buch, um eins derZeichen verschwinden zu lassen, in eine Entfernung von 26 bis 28 Centi-nieter, gemessen vom oberen Augenlide zum fixirten Zeichen.

Helmholtz hat an seinem Auge den blinden Fleck abgetastet und hatin seinem Handbuche der physiologischen Optik eine Abbildung davon ge-geben, in der man nicht nur die Eintrittsstelle des Sehnerven deutlich wiedererkennt, sondern auch den Anfang der grossen Blutgefässe der Netzhaut.