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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Die Linse.

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Berlinerblau, das er in die vordere Augenkammer einspritzte, in denCanalis Petiti eindrang. Nun fragt es sich: Wie ist es denn möglich,dass man doch die Zonula Zinnii als Ganzes aufblasen und dadurch denCanalis Petiti in der alten Weise darstellen kann, wenn sie kein Continuumist, sondern aus einer Menge von radiären Fasern besteht r Man kannsich dies nur daraus erklären, dass die sehr feinen, radiären Fasern durchdie anhaftende Flüssigkeit aneinander kleben und deshalb, so lange sienass sind, ein Continuum bilden, wenn aber das Auge in Terpentinöl ge-härtet ist, ihre Continuität verlieren und sich in einzelne Bündel strang-förraig zusammenlegen. In neuerer Zeit ist Chr. Aeby wieder für denmembranösen Charakter der Zonula eingetreten. Er hält die erwähntenSpalten für künstlich. Die Zonula führt uns zur Linse.

Die Linse.

Fi ff . 26.

Wir finden dieselbe als einen Rotationskörper, dessen vordere Flächewir uns entstanden denken können durch Rotation einer Ellipse um ihrekleine Axe, und deren hintere Partie wir uns entstanden denken könnendurch Umdrehung einer Parabel um ihre Axe, also als den Scheitel-abschnitt eines Paraboloids. Die Linse im engeren Sinne des Wortes istvon einer häutigen Kapsel, der Linsenkapsel, eingeschlossen. Diese isteine Glashaut, wie die Descemet'scho Membran, und ist wie diese struetur-los. Die Dicke ihrer vorderen Hälfte beträgt 0,008 bis 0,019 Millimeter,die der hinteren nur 0,005 bis 0,012 Millimeter. Sie hat auf der vor-deren Hälfte nach innen zu ein Epithel, welches, wie wir später sehenwerden, in innigem Zusammenhange mit der Art und Weise steht, wiesich die eigentliche Linsensubstanz erzeugt. Die Linse im engeren Sinnedes Wortes besteht aus sechskantigen Fasern, die so aufeinander gelagertsind, dass der kleine Durchmesser des sechseckigen Durchschnittes immerradial, also senkrecht auf die Schicht gestellt ist, während der grössteDurchmesser des Sechsecks immer in tangentialer Ebene liegt. Die einzelnenSechsecke sind dabei so aneinandergelagert, dasssie alternirend, wie Bausteine, liegen. (SieheFigur 26.) Aus solchen Fasern ist nun die ganzeLinse gewissermassen aufgewickelt. Die Art,wie dies geschieht, ist eine ziemlich compli-

cirte. Man kann sich aber darin leicht eine Einsicht verschaffen, wennman sich einen Kreis vorstellt, in dem vom Mittelpunkte aus drei Strahlenso ausgehen, dass sie miteinander Winkel von 120" einschliessen. DerPunkt, von dem die Strahlen ausgehen, soll dem vorderen Pole der Linseentsprechen, wir bezeichnen ihn mit 0, und von da aus schreiben wirauf jeden Strahl in gleichen Abständen von einander und vom Nullpunktedie Ziffern 1, 2, 3, 4, 5 auf. (Siehe Figur 27.) Nun denkt man sichan der Rückseite der Linse einen Punkt, der dem hinteren Pole derLinse entspricht, von dem aus ebensolche drei Strahlen ausgehen wievom vorderen Pole, die aber mit den Strahlen an der vorderen Flächein der Art alterniren, dass die Durchsehnittspunkte des grössten Linsen-kreises mit den Strahlen an der vorderen Fläche von den Durchschnitts-punkten eben dieses Kreises mit den Strahlen an der hinteren Flächeimmer um eine Bogenweite von 60° abstehen. Auf die Strahlen der

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