Druckschrift 
2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
Entstehung
Seite
146
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

146

Zonula Zinnii.

ist. Die Hauptmasse des zurückkommenden Lichtes geht also durch das-selbe Netzhautelement, das es schon auf dem Hinwege getroffen bat.Hieraus erklärt es sich, dass die Thiere mit einem Tapetum nicht nurnicht schlechter sehen als wir, sondern dass sie in der Dämmerung so<*arviel besser sehen als wir. Beim Menschen kommt das Licht, das durchdie Netzhaut hindurchgeht, grösstentheils nur einmal zur Wirkung. Beidiesen Thieren aber kommt eine viel grössere Menge Lichtes zurück.Dieses Licht, das zurückkehrt, verbrauchen sie ein zweites Mal, es mussalso dieselbe Lichtmenge eine stärkere Erregung in ihrer Netzhaut her-vorrufen, als dies bei Thieren der Fall ist, die kein Tapetum haben.Möglicherweise ist auch bei den Zapfen blos das Innenglied der eigent-liche Angriffspunkt für das Licht, und das Aussenglied des Zapfens, daszwischen den Stäbchen steckt, ist vielleicht nur ein Theil des kat-optrischen Apparates des Auges, der dazu dient, durch totale Eefiexiondie Strahlen wieder auf dasselbe Element zurückzubringen, durch welchessie eingefallen sind.

Zonula Zinnii.

Die Zonula Zinnii entsteht an der Ora serrata retinae, geht nachvorwärts, faltet sich wie eine Halskrause und setzt sich mit auf- undabsteigenden Falten an die Linse an, und zwar, wenigstens grösstentheils,an den vorderen Theil der Linse, indem die absteigenden Falten dengrössten Kreis derselben wenig oder gar nicht überschreiten. In dieseFalten sind, wie wir gesehen haben, die Ciliarfortsätze hineingesteckt,und da diese Falten sich andererseits wieder an der Linse befestigen, soist dadurch eine Verbindung zwischen dem Ciliartheile der Chorioidoaund der Linse gegeben.

Wenn man in die Zonula Zinnii, nachdem man die Ciliarfortsätzeherausgerissen hat, eine kleine Oeffnung macht und von oben her miteinem Tubus Luft einbläst, so fangt sich die Luft unter den Falten derZonula und schlägt dieselben nach aufwärts. Dadurch entsteht ein Kanal,der nach oben Buckel hat wie eine Halskrause. Diesen Kaum, der so mitLuft gefüllt wird, beschrieb zuerst Petit und nannte ihn nach seinenBuckeln den Canal godronne. Heutzutage pflegt man ihn als den CanalisPetiti zu bezeichnen. Es muss aber bemerkt werden, dass dieser Raumin der Ausdehnung, wie man ihn hier darstellt, nicht im lebenden Augevorhanden ist, sondern dass es erst möglich ist, ihm durch Lufteinblasendiese räumliche Ausdehnung zu geben, nachdem man die Ciliarfortsätzeaus den Falten der Zonula herausgerissen hat. So lange diese darin stecken,existirt nur ein capillarer Raum zwischen den absteigenden Falten derZonula und dem darunter liegenden Glaskörper.

Früher hat man die Zonula für eine continuirliche Membran ge-halten, welche in der beschriebenen Weise in Falten gelegt sei. Aberschon im Frühjahre 1870 sind mir von Professor VIacovitseh in PaduaPräparate zugeschickt worden, an welchen man sehen konnte, dass Oeff-nungen in der Zonula waren, und dass dieselbe aus Fasern bestand, welchezur Linse hingingen und sich, indem das Auge in Terpentinöl gehärtetworden war, in einzelne Stränge zusammengezogen hatten. Zu demselbenResultate ist auch Schwalbe gekommen, indem er fand, dass lösliches