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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nervus glossopharyngeus.

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dem andern Kaninchen, das zwei Monate länger nach der Operation ge-lebt hatte. Bei diesem waren die Muskeln der gelähmten Seite dünnund atrophisch, und es zeigte sich auch in der mikroskopischen Structurdie regressive Metamorphose deutlich ausgeprägt. Es hatte also hier dieErnährung der Muskeln die Integrität der Nerven sehr lange Zeit über-dauert. Die Nerven degencriren bei warmblütigen Thieren und beimMenschen im Laufe der ersten oder am Anfange der zweiten Woche,wenn so excidirt wurde, dass sie sich nicht wieder mit den Stämmen,von denen sie getrennt wurden, vereinigen können.

Die Speicheldrüsen waren auf der gelähmten Seite kleiner undleichter als auf der andern, so dass demnach ihre Entwicklung unterder frühzeitigen Zerstörung ihres Hauptsecretionsnerven gelitten hatte.

Das Auffallendste und Eäthsclhafteste war eine Veränderung in demKnochenbaue des ganzen Schädels. Es war der Schädel gewissermassennach der gelähmten Seite gekrümmt, das heisst, wenn man sich die Mittel-ebene durch den Schädel gelegt denkt, so war diese bei den operirtenThieren keine Ebene, sondern eine Fläche, welche nach der gesundenSeite convex, nach der kranken eoncav war. Diese Veränderung war anbeiden Schädeln wahrnehmbar, und zwar sowohl am Ober-, als am Unter-kiefer. A_n dem einen Schädel war sie auffallender als an dem andern.Aehnliche Beobachtungen waren schon früher von Brown-Scquard (1853)und von Lussana und Vlacovich gemacht worden, und dieselben hattengefunden, dass die Verzerrung der Wcichtheile nach der gelähmten Seitebei Kaninchen ziemlich bald nach der Operation eintritt.

Nervus glossopharyngcus.

Der Kern dieses Nerven liegt vor dem des Vagus, das heisst, wennman vom Bückenmarke gegen das Hirn rechnet, nach aufwärts vom Vagus-kerne, so dass er eine Fortsetzung desselben genannt werden kann. Erliegt nicht so oberflächlich wie dieser, sondern etwas tiefer. Er bestehtnach H. Obersteiner aus drei verschiedenen Zellcngruppcn, entsprechendden drei später aufzuzählenden Functionen der Nerven. Von den zu Tagetretenden Wurzelfascrn des N. glossopharyngcus, die nach H. Obersteinernoch durch den grössten Thcil der Fasern des, seinem Ursprünge nachnicht sicher bekannten Solitärbündels von Stilling verstärkt werden,bildet ein Thcil ein kleines Ganglion, während der andere Theil derFasern an diesem Ganglion vorübergeht und sich daran nicht betheiligt.Dieses kleine, steeknadelkopfgrosse Ganglion ist von Ehren ritter ent-deckt worden. Es gerieth dann in Vergessenheit und wurde später vonJohannes Müller wieder gefunden. Es führt den Namen des Ehren-i'itter-Müller'schen Ganglions. Dann bildet der Glossopharyngcus inder Fossula petrosa das Ganglion petrosum seu Andersehii.

In Bücksicht auf diese Ursprungsweise hat sich ein Streit darübererhoben, ob der Glossopharyngcus ein gemischter Nerv sei, d. h. gemischtaus centripetal- und centrifugallcitendcn Bahnen, oder ob er ausschliesslichaus ccntripetalleitendcn Bahnen bestehe. Die letztere Ansicht war dieherrschende, als Johannes Müller dafür eintrat, dass der Glossopharyn-gcus ein gemischter Nerv sei. Er berief sich wesentlich darauf, dass dasvon ihm wieder entdeckte Ganglion das eigentliche Wurzelganglion desNerven sei, und dass es nur einen Theil der Fasern umfasst, während die