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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nervus facialis.

Beinhaut in demselben zu Stande kommt, so ist die Prognose im Allge-meinen eine günstigere und gibt nicht, zu den düsteren RückschlüssenVeranlassung, zu welchen die Lähmungen anderer Hirnnerven zumeistauffordern. Wenn indessen die Lähmung des Facialis eine bleibende ist,dann ist sie keineswegs ein so unbedeutendes Uebel. Abgesehen von derEntstellung, die sie mit sich bringt, und die sich im Laufe der Zeilnoch vermehrt, indem die gelähmten Thcilc immer mehr schlaff undhängend werden, kann sie mit der Zeit das Auge benachtheiligen, weiles nicht in seiner gewöhnlichen Weise durch das obere Augenlid geschütztist. Namentlich ist Thränenträufeln und Neigung zu Entzündungen derBindehaut als häufige Folgeerscheinung beobachtet worden. Auch dermangelhafte Lippenverschluss und in Folge davon leichtes Verschütten vonGetränk ist den Betroffenen oft sehr lästig. Goldzicher beobachtetean einer Kranken mit Facialislähmung, dass, wenn sie weinte, die Thronennur auf der gesunden Seite flössen. Später, als die Lähmung gewichenwar, weinten wieder beide Augen.

In der Jugend erworbene und bleibende Facialislähmung zieht nochandere Folgen nach sich.

Ich habe im April des Jahres 1872 zwei Kaninchen, die bis aufetwas mehr als die Hälfte ihrer späteren Länge erwachsen waren, denFacialis auf einer Seite ausgerissen und habe sie dann aufwachsen lassen.Im Laufe des Winters sind sie von Herrn Schauta untersucht worden,und zwar erst lebend, dann todt, um die Veränderungen zu constatiren,die am Kopfe derselben zu beobachten waren. Es zeigte sich zunächst andiesen Thieren eine auffallende Veränderung des Gesichtes. Die Mund-spalte war nicht nach der gesunden Seite verzogen, wie dies bei Menschenmit Facialislähmungen der Fall ist, sondern es war die Mundspalte unddie ganze Schnauze nach der gelähmten Seite hingerückt. Auch dieVorderzähnc sowohl im Oberkiefer als im Unterkiefer standen schief. Alsdie Thierc behufs der Untersuchung mit dem elektrischen Strome rasirtworden waren, fanden sich auf der kranken Seite Falten, welche senk-recht standen auf einer Linie, die man sich vom Auge zum Mundwinkelgezogen denkt. Die Haut war also nicht zu kurz, es musste etwas unterder Haut liegen, was das Maul herüberzog. Bei der Untersuchung mitdem elektrischen Strome zeigte sich die gelähmte Seite im hohen Gradenntcrempfindlich gegen Inductionsströ'me, dagegen zeigte sie sich im massigenGrade überempfindlich gegen das Schlicssen und Ocffnon eines constanten Stro-mes. Es stimmt dies ganz mit den Beobachtungen übercin, welche zuerstBcierlacher und dann Benedict Schulz über ältere Facialislähmungenam Menschen veröffentlicht haben. Wir wissen jetzt, dass die Unter-empfindlichkeit davon herrührt, dass die ncrvenloscn Muskeln zwar durchelektrische Ströme erregt werden, dass sie aber durch so kurzdauernde elek-trische Ströme, wie die Inductionsströmc, viel schwerer erregt werden alsdie Nerven und also auch als solche Muskeln, deren Nerven noch erregbarsind (vergl. Bd. I, S. 499). Nachdem diese Untersuchungen am lebendenKaninchen beendet waren, wurden die Thiore getödtet und zunächst die-Muskeln untersucht. Bei dem einen Kaninehen war der Querschnitt derMuskeln auf der kranken Seite nicht wesentlich verschieden von dem derMuskeln der gesunden Seite, und es zeigten sich auch keine Erscheinungenvon Atrophie oder Entartung an denselben. Anders verhielt es sich mit