Nervus facialis.
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Die Lähmung des N. facialis zeigt sich in sehr auffallenden Er-scheinungen. Zunächst ist es klar, dass die Muskeln, welche den mimi-schen Gesichtsausdruck vermitteln, auf der kranken Seite gelähmt sind.Die Folge davon ist, dass an der gelähmten Seite die Stirne glättererscheint, dass der Nasenflügel daselbst abgeflacht, dass die Mundspalteum etwas nach der andern Seite herübergezogen ist. Diese Erscheinungenwerden viel auffälliger, wenn der Kranke zu sprechen oder zu lachenanfängt, indem sich dann die Muskeln der gesunden Seite activ zusammen-ziehen und so die Mundspalte nach der gesunden Seite herüberzerren.Das Auge kann nicht geschlossen werden, weil der M. orbieularis palpe-brarum seinen Dienst versagt. Es ist dies der sogenannte Lagophthalmusparalyticus. Der Kranke kann also auch nicht sein Auge durch Blinzelnabwischen. Er muss durch Contraction des M. rectus superior das Augenach auswärts rollen, um es unter das obere Augenlid zu bringen. Schief-stellung des Gaumensegels, namentlich der Uvula, ist in einigen, aber nichtin allen Fällen beobachtet worden. Es ist dies begreiflich, weil die meistenFacialislähmungen ihren Grund haben in einer Compression, welche derNerv irgendwo während seines langen Verlaufes durch den Canalis Fallo-piae erleidet, die Nerven für das Gaumensegel aber schon vom Genu nervifacialis abgehen. Es sind überhaupt die Angaben über Schiefstellung derUvula in jedem einzelnen Falle mit Vorsicht aufzunehmen. Die Einengeben an, die Uvula sei nach der kranken, die Andern, sie sei nach dergesunden Seite abgelenkt gewesen. Es ist möglich, dass dies wirklich inverschiedenen Innervationsstörungen seinen Grund hat. Es ist aber auchmöglich, dass bei einem Theile der betroffenen Individuen die Uvula vonvorneherein schief gestanden hatte. Untersucht man den Bachen bei ver-schiedenen Personen, so wird man viele finden, bei denen die Uvula nichtin der Mittellinie steht, sondern nach der einen oder anderen Seite geneigtist. Die Schlingbeschwerden, die etwa durch Lähmung des Gaumensegelshervorgerufen werden könnten, sind entweder gar nicht vorhanden gewesenoder waren von keiner besonderen Bedeutung.
Eine sehr merkwürdige Complication mancher Facialislähmungenist theilweise Gesehmackslähmung. Man kennt sie bis jetzt nur an solchenFällen, in denen der Facialis comprimirt war in einer Höhe, in derer die Chorda tympani noch nicht abgegeben hatte. Wir werden vonihr noch beim Nervus glossopharyngeus sprechen.
Auch Gehörsstörungen sind beobachtet worden. Bei Einigen heisstes, die Kranken hätten auf der gelähmten Seite schlechter gehört oderseien taub gewesen, was auf Compression des Aeusticus zu beziehen ist.In anderen Fällen soll aber die sogenannte Hypcracusis Willisiana beobachtetworden sein, das heisst eine eigenthümliche, schmerzhafte Empfindlichkeitgegen stärkere Töne und Geräusche, was vom Schlottern des Steigbügelsim ovalen Fenster abgeleitet wird. Es muss aber bemerkt werden, dassdies nur selten beobachtet wurde, was vielleicht damit zusammenhängt,dass der N. stapedius verhältnissmässig hoch oben vom Facialis abgeht.In neuerer Zeit ist in ein paar Fällen auch Steigerung der Gehörsehärfefür tiefe Töne beobachtet worden.
Die Lähmung des Facialis ist wegen des Verlaufes des Nervendurch einen langen engen Knochenkanal bei Weitem die häufigste vonallen Hirnnervenlähmungen. Da sie schon durch blosse Schwellung der