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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nervus facialis.

spärlicher und viel dunkler venös gefärbt aus der Vene der nicht secer-nirenden Drüse abtröpfelt. Es ist also klar, dass bei der durch den Fa-cialis angeregten Seeretion das Blut reichlicher durch die Gefässe derDrüse hindurchfliesst, und zwar mit einer gewissen Geschwindigkeit, wassich darin zeigt, dass das Blut so unvollständig desoxydirt wurde. Wennnun durch die Beizung des Sympathicus die Gefässe sich zusammenziehen,so wird dadurch die Blutzufuhr zur Drüse vermindert und daher dieSeeretion, die durch den Facialis eingeleitet wurde, beeinträchtigt. Schwie-riger ist es zu erklären, dass, wie angegeben wird, durch Beizung desSympathicus bei gleichzeitiger Beizung der Chorda oder des Facialis dieSeeretion unter dasjenige Maass herabgedrückt werden kann, welches durchBeizung des Sympathicus allein erreicht wird.

Eckhard und später Grützner fanden, dass auch durch Beizung derMedulla oblongata Speichelsecretion hervorgebracht werden kann, so langedie Chorda erhalten ist stärkere, nach ihrer Durchschneidung schwächere.Ist auch noch der Sympathicus durchschnitten, so erhält man gar keineSeeretion mehr. Es können hiernach nicht nur die durch den Facialis gehen-den, sondern auch die durch den Sympathicus gehenden Secretionsnervender Glandula submaxillaris von der Medulla oblongata aus erregt werden.

Der Facialis ist aber nicht blos der Secretionsnerv für die Sub-maxillaris, sondern auch für die Parotis. Er sendet ihr gleichfalls seineFasern auf Umwegen, und zwar nach den Untersuchungen, welche inHeidenhain's Laboratorium von Nawrocki angestellt worden sind,durch den N. petrosus superficialis minor in das Ganglion oticum und vonda in den N\ auriculotemporalis, von wo aus sie zur Parotis verlaufen.Daraus erklärt es sich, dass Bernard den Facialis da, wo er aus demForamen stylomastoideum heraustritt, durchsehneiden konnte, ohne dassdie Parotissecretion aufgehoben wurde.

Heidenhain nimmt für die Speicheldrüsen zweierlei Secretions-nerven an: Secretionsnerven im engeren Sinne, die wesentlich Wasser-übertritt in die Drüse vermitteln, sie sollen grösstentheils im Facialisverlaiifen, und trophische, d. h. solche, die die Umsetzung der Substanzder Secretionszellen in Secretbestandtheile vermitteln, und diese sollengrösstentheils im Sympathicus verlaufen. Es ist ihm in der That gelungen,durch Beizung des Halssympathicus in der Parotis sichtbare Veränderungenhervorzurufen. Die Zellen wurden trübe und ihre Begrenzungen wenigerdeutlich, dabei trat ein gewisser Grad von Schrumpfung, von Verkleinerungein, entsprechend der grösseren Menge von organischer Substanz, die indas Secret überging.

Wir haben gesehen, dass schon Bernard wahrnahm, wie bei Bei-zung der Chorda tympani das Blut aus der durchschnittenen Vene derGlandula submaxillaris reichlicher und heller roth floss. Vulpian hatspäter gefunden, dass sich zugleich die ganze Zungenhälfte derselben Seitereichlicher mit Blut anfüllt und dabei die Vena ranina, wenn sie ange-schnitten wird, dieselbe Erscheinung zeigt wie die Vene der Glandula sub-maxillaris. Die Gefässe erweitern sich also, wenn die Chorda gereizt wird.Wenn sie keine Muskelfasern haben, welche sie erweitern können, so bleibtuns nur übrig anzunehmen, dass gewisse Chordafasern den vasomotorischenNerven gegenüber hemmend wirken und so den Tonus, das heisst den ge-wöhnlichen Contractionsgrad der Gefässmuskeln, temporär herabsetzen.