Nervus trigerainus.
99
konnten dabei ihren Weg direct oder durch die Anastomose vom Ganglionoticum zur Chorda nehmen. Es können auch Easern des Glossopharyngeusvom Plexus tympanicus zum Genu nervi facialis und so zur Chorda ge-langen, und dass ein Theil der Geschmacksfasern diesen Weg nimmt, wirdwahrscheinlich durch Bernard's Versuche an Thieren, bei denen die Chordain der Trommelhöhle zerstört wurde, und durch mehrere Krankheitsfälle.Dass die Chorda Geschmacksfasern zum Lingualis bringt, kann kaum mehrbezweifelt werden; dass der Trigeminus vom Hause aus Geschmacksfasernenthalte, muss dagegen als zweifelhaft erscheinen, nachdem in neuererZeit von Lussana, Vicioli und Althaus drei Eälle von vollständigereinseitiger Trigeminuslähmung publicirt worden sind, bei denen die Ge-schmacksempfindung gar nicht alterirt war. Lussana spricht deshalb demTrigeminus jeden Einfiuss auf die Geschmacksempfindung ab. Hiezu mussindessen bemerkt werden, dass darüber nicht Alle gleich urtheilen, welcheGelegenheit hatten, vollständige einseitige Trigeminuslähmungcn zu beob-achten. So entsinne ich mich aus mündlichen Mittheilungen von Pro-fessor Türk, dass ein Kranker auf seiner Abtheilung süsse und saureSubstanzen auf der Seite, auf welcher er eine vollständige Trigeminus-lähmung hatte, weniger schmeckte, als auf der gesunden.
Die Sache stellt also bis jetzt so, dass man wohl sagen kann, dassdie Empfindung des Bitteren ausschliesslich vom N. glossopharyngeus ver-mittelt werde, man aber nicht dasselbe von allen übrigen Geschmacks-empfindungen aussagen darf. Wir werden später sehen, dass wahrschein-lich die verschiedenen Geschmacksempfindungen durch verschiedene Artenvon Nervenfasern vermittelt werden, dass also auch möglicher Weise nichtalle diese verschiedenen Nervenfasern in einer Wurzel zu Tage treten.In Rücksieht auf die Geschmacksempfindung des Süssen und Sauren sind,wie gesagt, die Beobachter nicht miteinander in Einklang. Man mussbei der Empfindung des Sauren bemerken, dass diese vielleicht keine reineGeschmacksempfindung sei, sondern dass auch Gefühlsnerven mit an derSensation des Sauren, wenigstens, wenn dieselbe stärker ist, Theil habenkönnen. Hieran schliesst sich die Bemerkung, dass Kranke, welche dieGeschmacksempfindung durch Verletzung des Lingualis verloren haben,präcis und unaufgefordert angeben, dass sie auf der einen Hälfte derZunge nicht schmecken, während bei Geschmackslähmungen, bei denendie Sensibilität der Zunge vollständig erhalten ist, das nicht schmeckendeGebiet erst durch Versuche in seiner Ausdehnung ermittelt und begrenztwerden muss. Manchmal weiss der Kranke gar nichts von einer theil-weisen Geschmackslähmung, dieselbe wird erst durch die ärztliche Unter-suchung ermittelt.
Die Trigeminuslähmung beim Menschen ist äusserlich nicht durchauffallende Erscheinungen charakterisirt. Im Zustande der Ruhe fällt dieLähmung der Kaumuskeln an der einen Seite nicht auf, indem der Menschnbch gerade aufeinander beisst. Man kann sich aber von der Lähmungderselben überzeugen, wenn man die Finger auf die beiden Schläfen-muskeln oder auf die beiden Masseteren setzt und nun den Kranken zu-sammenbeissen lässt. Dann fühlt man deutlich, wie auf der gesundenSeite die Muskeln sich contrahiren, und wie sie dies auf der gelähmtenSeite nicht thun. Gibt man dem Kranken etwas zu kauen, so zeigt sichdie Lähmung deutlich an der ungleichmässigen Bewegung der Kiefer. Da
7*