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Nervus trigeminus.
Auch die Angaben über den Verlust des Gehörs bei Trigeminus-durchsehneidung haben sich nicht bestätigt. Wenn die Operation in dergehörigen Weise ausgeführt ist, wenn der Nervus acusticus dabei nichtverletzt wurde, so ist auch das Gehör nach wie vor vorhanden.
Ob der Geruch vorhanden ist, lässt sich an Thieren kaum mitsolcher Gewissheit entscheiden. Die Versuche, auf Grund derer man eineMitwirkung des Trigeminus beim Gerüche annahm, rechtfertigen diesenSchluss nicht. Es ist hier wiederum mit Substanzen exporimcntirt worden,die hauptsächlich durch Empfindungen wirken, welche an und für sichdurch den Trigeminus vermittelt werden. Es wurden z. B. Actzammo-niak und Essigsäure angewendet. Wenn ein Thier vor einer Ammoniak-nasche zurückfährt, so thut es dies zunächst nicht, weil ihm der Geruchdesselben unangenehm wäre, sondern, weil ihm Schmerz erzeugt wird.Wenn also ein Kaninchen, dem der Trigeminus auf beiden Seiten durch-schnitten ist, nicht so vor dem Ammoniak zurückscheut wie ein gesundes,so beweist dies nicht, dass es seinen Geruch verloren hat. An Menschensind anscheinend ganz vollständige Trigeminuslähmungen beobachtet worden,bei denen der Geruch auch noch auf der kranken Seite vorhanden war.
Es bleibt noch übrig, von dem Geschmackssinn zu sprechen. Wirwerden später sehen, dass der Hauptgeschmacksnerv der Nervus glosso-pharyngeus ist, und dass durch ihn nach den Versuchen von Stanniusdie Geschmacksempfindung des Bitteren ausschliesslich vermittelt wird.Stannius fand, dass Kätzchen, denen er den Glossopharyngeus auf beidenSeiten durchschnitten hatte, Milch, welche mit schwefelsaurem Chininbitter gemacht war, ebenso nahmen, wie andere Milch. Nichtsdesto-weniger zeigte sich beim Menschen, wenn der Ramus lingualis nervi tri-gemini auf einer Seite durchschnitten war, vollständiges Aufhören derGeschmacksempfindung auf derselben Seite auf dem vorderen Theile derZunge. Es ist dabei die Geschmacksempfindung des Bitteren miteinge-schlossen.
Ich habe selbst einen solchen Eall gesehen und untersucht. Es wareine Kranke, die vom Professor Weinlechner operirt wurde, wobei esnicht hatte vermieden werden können, mit einer zu exstirpirenden Ge-schwulst auch ein Stück aus dem Kamus lingualis nervi trigemini auszu-schneiden. Der hintere Theil der Zunge konnte wegen Verengerung derMundspaltc nicht mit Sicherheit untersucht werden. Auf dem vorderenTheile derselben zeigte sich die kranke Seite vollständig ohne Geschmacks-empfindung. Die Kranke sprach sich auch sehr bestimmt darüber aus.Wenn man ihr schwefelsaures Chinin auf die gesunde Seite einpinselte,so nahm sie es sofort wahr. That man dasselbe auf der kranken Seite,so bemerkte sie davon nichts. Gab man ihr aber Wasser, sich den Mundauszuspülen, so schmeckte sie deutlich, wie sich das Chinin im Mundeverbreitete. Sie gab auch an, dass sie beim Essen wahrnehme, dass sienur auf einer Seite der Zunge schmecke.
Es würde unrichtig sein, hieraus zu schliessen, dass die Geschmacks-empfindung des Bitteren durch Easern vermittelt werde, welche aus demTrigeminus stammen. Es ist ja sehr möglich, dass dies Fasern sind,welche dem Glossopharyngeus angehören, aus diesem in die Jakobson'scheAnastomose, von da in den Nervus petrosus superficialis minor, und end-lich durch das Ganglion oticum in den Lingualis übergegangen sind. Sie