100
Nervus facialis.
das Kauen auf der gesunden Seite stattfindet, so wälzt der Kranke mitder Zunge die Theile des Bissens, die auf die andere Seite geratlien sindnach der gesunden zurück. Ferner zeigt sicli im Gebiete des TrigeminusEmpfindungslosigkeit. Man kann förmlich an ihr die Ausbreitung der Läh-mung auf Haut- und SchleimhautoberJiäche abtasten und so ermitteln, oballe Aeste gelähmt sind oder nur einer oder zwei. Dabei zeigt sich auchder Mangel der Reflexbewegungen, den wir bereits besprochen haben.
Nervus facialis seu comiuiinieans faciei.
Der Nervus facialis entspringt unter dem Boden des vierten Ventrikels.Von den Ganglienzellen, aus denen er seinen Ursprung nimmt, gehörennach Einigen die oberen zum Theil dem sogenannten Facialis-Abducens-Kernan, aus dem aber nur der Nervus abducens seinen Ursprung nimmt undder von den Facialisfasern nur durchsetzt wird. Die unteren bilden densogenannten unteren Facialiskern zu beiden Seiten der Mittellinie. Dader Nerv, nachdem er zu Tage getreten ist, sich hart an den Nervusacusticus anlagert und mit diesem in den Meatus auditorius internus ein-tritt, so sahen die alten Anatomen den Facialis und Acusticus als einNervenpaar an, das sie in eine Portio dura, den jetzigen Facialis, undeine Portio mollis, den jetzigen Acusticus eintheilten. Zwischen beidenunterschied später "Wrisberg noch ein mittleres Bündel, welches demFacialis beitritt und mit dem Namen der Portio intermedia Wrisbergiibezeichnet wird. Duval hält aus vergleichend anatomischen Gründen ihreFasern für Geschmacksfasern, die aus einem Theil des Glossopharyngeus-kerns entspringen und in die Chorda tympani übertreten. Indessen lassensich die Geschmaeksfasern der Chorda auch auf anderen Wegen vomGlossopharyngeus herleiten, so dass die Ansicht von Duval, dass die Fasernder Portio intermedia Wrisbergii Geschmacksfasern seien, zwar richtigsein kann, aber nicht richtig sein muss. Sapolini leitet die Fasern derPortio intermedia aus den Corpora restiformia und dem Funiculus innorai-natus her und kommt durch anatomische Präparation gleichfalls zu demResultate, dass sie in die Chorda tympani übergehen.
Der Facialis führt in seinem Verlaufe zahlreiche sensible Fasern,welche er grösstentheils dem Trigeminus, zum Theil auch dem Vagusentlehnt hat. Wenn man den Trigeminus in der Schädelhöhle durch-schnitten hat, so wird der Stamm des Facialis bei seinem Austritte ausdem Foramen stylomastoideum noch nicht ganz unempfindlich gefunden.Schon Longet leitete diesen Rest von Empfindlichkeit vom Vagus her,und zu demselben Resultate ist später auch Bernard durch seine Ver-suche gelangt.
Der Facialis versorgt die sämmtlichon Muskeln, welche dem mirai-schen Ausdrucke des Gesichtes vorstehen, mit Einschluss des Buccinator.Ausserdem gibt er einen Ast zum Stylohyoideus und versorgt den hinterenBauch des Digastricus. Dann gibt er hoch oben schon einen kleinen Asiab, welcher zum M. stapedius geht. Die beiden Muskeln des innerenOhres werden also von verschiedenen Nerven versorgt: der M. nialleiinternus von der motorischen Portion des Trigeminus, der M. stapediusvom Facialis. Ferner gibt er Aeste ab zu den Muskeln des äusserenOhres, zum M. occipitalis und dem Platysmamyoides, wohin übrigens