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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nervus tngcminus.

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niicke des Ohres des Kaninchens Cervicalnerven hingehen, und dass diesesdaher seine Empfindlichkeit behält, wenn auch der Trigeminus durch-schnitten ist. Er nahm also das Ohr und nähte es über das Auge her-über, und nun trat die Trigeminusophthalniie nicht ein. In ähnlicher Weisehat man derselben dadurch vorgebeugt, dass man einen kleinen Hut aufdem Auge des Kaninchens befestigte, so dass weder Staub in dasselbeeindringen, noch auch das Thier sich anstossen und so das Auge insul-tiren konnte.

Es ist wohl kaum zu bezweifeln, dass auch die Röthung der Nasen-schleimhaut daher rührt, dass Staub und andere fremde Körper, die indie Nase eindringen, keine Reflexbewegung hervorrufen und also nichtsofort ausgestossen werden.

Auch die Gesehwürsbildungen an den Lippen, an dem Zahnfleischeund am Gaumen rühren von mechanischen Insulten her. Die Kaninchenals Nagethiere nützen bekanntlich ihre Schneidezähne fortwährend ab,und dieselben wachsen allmälig wieder nach. Die Schneide bleibt hie-bei gerade gerichtet, so lange das Thier mit seinen Zähnen gerade auf-einander beisst. Wenn aber der Trigeminus durchschnitten ist, so sinddie Kaumuskeln, also auch die M. pterygoidei an der einen Seite gelähmt,und in Folge dessen beisst das Kaninchen nicht mehr gerade, sondernschief aufeinander. Seine Zähne beissen sich nun nicht mehr gerade,sondern schief ab. Dadurch kommt aber an der einen Seite eine Spitzezum Vorschein, und diese stösst an die Lippe an. Die Folge davon ist,dass nach und nach durch das stete Anstossen eine kleine Abschürfungund dann ein Geschwür erzeugt wird, gerade so, wie manchmal beillenschcn durch Ecken von cariösen Zähnen solche Geschwüre an derZunge hervorgerufen werden. Nun stehen aber auch die Backenzähnenicht gerade aufeinander, und deshalb beissen sieh auch diese schief ab.Es entstehen hervortretende Spitzen, die an der Innenseite der Backen-zähne an das Zahnfleisch, da, wo es in den Gaumen übergeht, anstossenund auf mechanischem Wege Geschwürsbildung hervorrufen.

Alle diese Erscheinungen, welche man nach der Durchschneidungdes Trigeminus beobachtet hat, und die man früher als neuroparalytischeauffasste, kann man heutzutage nicht mehr als solche deuten. Man hatfrüher behauptet, diese Erscheinungen träten sämmtlich nicht ein, wennman den Trigeminus zwischen Hirn und Ganglion Gasscri mit sorgfältigerSchonung des letzteren durchschnitten. Diese Behauptung ist unrichtig:Bernard fand, dass nach solcher Durchschneidung die Augenentzündungschon in vollem Gange war, während sich keine Spur von Degenerationder Nervenfasern auffinden Hess.

Man hat eine Zeitlang dem Trigeminus einen wesentlichen Einfiussauf die Sinneswahrnehmungen zugeschrieben, man sah ihn gewissermassenals einen Hilfsnerv für die sämmtlichen Sinnesnerven an. Diese An-schauungsweise hat sich aber nicht als haltbar bewiesen.

Was zunächst das Gesicht anbelangt, so besteht dasselbe fort, so langedie Cornea noch durchsichtig ist. Es haben sich mehrere namhafte Physio-logen durch direetc Versuche überzeugt, dass die Thiere noch sehen und,wie es scheint, in normaler Weise sehen, wenn auch der Trigeminus aufbeiden Seiten durchschnitten ist. Auch beim Mensehen hat man bei Trige-niiimsläumung keine Störung der Gesichtsempfindung als solcher beobachtet.

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