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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Bewegungsnerven des Auges.

Sympathicüs gereizt wird, werden diese Muskeln sich zusammenziehen, erwird also das Auge aus der Orbita herausdrängen. Gleichzeitig mit diesemMuskel hat Müller glatte Muskelfasern beschrieben, welche auf der innerenSeite der Augenlider und in senkrechter Richtung verlaufen, so dass siebei ihrer Zusammcnzichung das Auge mit öffnen helfen können. Wenn alsodiese Muskelfasern ihres Nervcncinflusses beraubt sind, ist auch das eineUrsache, dass die Lidspaltc enger werde, während umgekehrt, wenn dieseMuskeln zur Contraction gereizt werden, bei gleicher Innervation desLevator palpebrac superioris die Lidspaltc sieh über das frühere Maasserweitern muss.

Am wenigsten klar ist bis jetzt das Schielen nach innen. Es scheintdaher zu rühren, dass auch Fasern aus dem Sympathicüs zu dem Mus-culus rectus externus gehen, durch deren Lähmung der rectus internusdas Ucbergcwicht erlangt, so dass das Auge eine andere Stellung erhält.

Diese Fasern, welche durch den Halstheil des Sympathicüs zumAuge hingehen, haben ihren Ursprung nicht im Sympathicüs selbst, son-dern, wie durch die Untersuchungen von Budge und Waller nachge-wiesen ist, im Rückenmarke, im untersten Theile dos Halsmarkcs undim obersten des Brustmarkes. Diese Gegend nennt man Regio ciliospinalis.Wenn man sie reizt, so treten dieselben Veränderungen im Auge ein,welche wir auf Reizung des Halstheiles des Sympathicüs beobachtet haben;schneidet man diese Gegend aus, so treten die Veränderungen auf, die nachDurchschneidung der besagten Nervenbahn auftreten. Bei Hunden verlassensie nach den Untersuchungen von Bernard mit dem siebenten und achtenCervicalnorvcn und mit dem ersten Dorsalnerven das Rückenmark undtreten durch die entsprechenden Rami communicantes in den Sympathicüsein. Durchschneidet man diese Rami communicantes, so treten dieselbenVeränderungen ein, wie wir sie bei Durchschneidung des Halstheiles desSympathicüs beobachtet haben. Diese von der Regio ciliospinalis zumAuge gehenden Nerven haben, wie Bernard nachgewiesen, ein ganz un-gewöhnlich ausgedehntes Rcficxgcbict. Sic können nämlich von jederStelle des Körpers aus erregt werden, vorausgesetzt, dass ein hinreichendstarker Reiz erzeugt wird. Wenn man ein Thier an irgend einer Stellesehr heftig kneipt oder anderweitig misshandelt, so treten am Auge dieVeränderungen ein, die bei Reizung des Halstheiles des Sympathicüs be-obachtet werden. Hieraus erklären sich die Beschreibungen, welche unsvon früheren Autoren über die Veränderungen des Aussehens von Leuten,die auf die Folter gespannt wurden, gegeben werden. Es wird erzählt, esseien unter den Schmerzen die Augen aus ihren Höhlen herausgetreten.

Salkowsky ist der Ansicht, dass das eigentliche Centrum cilio-spinale aufwärts vom Atlas liegen müsse. Es veranlasst ihn dazu folgendeErfahrung. Wenn man ein Thier mit Curare vergiftet und dann künst-liche Respiration eingeleitet hat, so erweitert sich die Pupille, wenn mandie künstliche Respiration aussetzt und das Thier der Erstickung entgegen-geht. Diese Pupillcncrweitcrung bleibt aus, wenn man vorher das Hals-mark durchschnitten hat. Das venöse Blut muss also von einem höherliegenden Orte aus auf die Dilatatornervcn eingewirkt haben. Die moto-rischen Bahnen der willkürlichen Mukeln haben, wie wir früher sahen,mehrere Inncrvationscentra über einander liegen, im Rückenmark, in denStammganglien des Hirns, in der Hirnrinde. So mögen auch die hier i"